Welchen Koran? & Welche Sunna?


Wir sprechen von Koran und Sunna (Handlung des Propheten). Doch wenn wir die “Sunna” betonen, welchen Sunna und Koran (Verständnis) gemeint ist, sollte infrage gestellt werden.

Die Sunna der vier anerkannten Rechtsschulen? Wenn ja, welche Rechtsschule? Oder die Sunna (wie z.B. der Salafis) in der die vier Rechtsschulen nicht anerkannt werden? Den Islam, der ein monarchistisches System für legitim erklärt? Oder den Islam, der die Demokratie als den geeigneten Regierungssystem befürwortet?

Ein von Muvatta (Imam Malik gest. 795. Der Gründer der zweiten Rechtsschule) überlieferten Hadith: “Koran und Sunna”? Oder von Sahih Muslim “Koran und Ahlulbayt (Nachkomme des Propheten)”? Beide sunnitisch authentische Quellen die unterschiedlich berichten.

Kommen wir zum Koran: Wenn wir die sinngemäß übersetzten Koranexemplare inkl. Kommentierungen & Erläuterungen zusammenrechnen, hätten wir laut dem türkischen Theologen und Autor R. Ihsan Eliacik zufolge ca. 72.000 verschiedene Interpretationen vorliegen. (Vgl. Ihsan Eliacik – Erzähl mir von der Religion S. 93)

An welchem Koranverständnis sollen wir uns orientieren? Da bei einigen Auslegungen viel Aberglaube vermischt wurde, sind solche kritischen Auseinandersetzungen äußerst wichtig.

Zu erwähnen ist, dass wir weder in den Blütezeiten des Islams, noch in dem Zeitalter der Offenbarungen oder der des Propheten (s.a.v.) leben.

Mittlerweile liegen 14 Generationen hinter uns und haben inzwischen 72 tausend Sichtweisen vorliegen. Der Koran ist eine göttliche Offenbarung, seine Interpretation sind jedoch Menschenwerke. Welches? Warum? Weshalb? Wie? Woher? Welche Art?, sollte sich nun jeder stellen können.

Solange die Menschheit existiert, sind die Tore des Wissens und das Streben danach bis zum Jüngsten Tag offen.

Hz. Ali, der Schwiegersohn des Propheten (s.a.v.) sagte: “Jedes Gefäß wird voll wenn man es füllt. Nur das Gefäß des Wissens nicht, denn das dehnt sich aus”. (Vgl. Annemarie Schimmel – Weisheit des Islam)

Erinnern wir uns an die Worte aus der Abschiedspredigt als der Prophet Muhammad (s.a.v.) sagte: “Mögen die Anwesenden die Abwesenden davon mitteilen, vielleicht sind unter ihnen jene, die es besser verstehen. (Buhari; 10/1654)

Nicht die, die es besser auswendig lernen oder (blind) rezitieren, sondern die es besser verstehen. Die Vernunft und das Verstehen wird hier vom Propheten (s.a.v.) selbst bekräftigt.

 

“Wollen sie denn nicht versuchen, diesen Koran zu verstehen?” (Koran 4:82)

“Wahrlich, die schlimmsten aller Geschöpfe in der Sicht Gottes sind jene Tauben, jene Stummen, die ihren Verstand nicht gebrauchen.” (Koran 8:22)

” [...] und daß Er es ist, der das abscheulische Übel (des Unglaubens) jenen auferlegt, die ihren Verstand nicht gebrauchen wollen.” (Koran 10:100)

 

 

 

 

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6 Responses to Welchen Koran? & Welche Sunna?

  1. Moe says:

    S.a. Ecevit abi,

    erstmal wünsch ich dir und allen Lesern deiner Artikel einen gesegneten Ramadan.
    Ich muss sagen, sehr schöne Recherche die du uns hier bietest :)

    “…Aber Gott leitet die Gläubigen zu der Wahrheit, über die sie, mit Seiner Erlaubnis, uneinig gewesen waren: denn Gott leitet auf einen geraden Weg, wer (geleitet werden) will.” (2/213)

  2. Moe says:

    Ooops, Baycan abi, sorry ich habe die Seite verwechselt, das is ja dein Beitrag :) Den gleichen Text anstelle von “Ecevit” mit “Baycan” lesen …

  3. Chadidscha says:

    Viele Fragen. Und die Antworten?
    Ist den ganzen Gelehrten und Scheichs und Orientalistikexperten,und den vielen Predigern mit unterschiedlichen Auffassungen eigentlich bewusst, wie schwierig das gerade für neue Muslime (wie mich) ist, sich da zurecht zu finden? Jede Seite verteidigt ihr “Wissen” und bringt ihre “Beweise”.
    Eigentlich steht doch im Koran, dass er “in einfacher arabischer Sprache” herab gesandt wurde. Und der Gesandte selbst war kein gebildeter Mensch. Da sollte es doch irgendwie möglich sein, ohne diese ganzen Gelehrten und Interpretationen und gegensätzlichen Meinungen auszukommen und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren.

  4. Baycan Yanar says:

    viele Fragen, die dazu verleiten (sollen), darüber zu studieren. Der Koran ist nicht nur für die Gelehrten herabgesandt, sondern für jeden Menschen. Natürlich kann und darf niemand nach seinem eigenem Ermessen auslegen wie er/sie es für richtig hält. Doch die Gelehrten haben recherchiert und ihre Recherchen als Tafsir und anderen Büchern für die Menschen veröffentlicht. Unsere Aufgabe ist es, diese Arbeiten der Gelehrten die als Buchform herausgebracht wurden zu entnehmen und sie zu studieren. Wenn man zu einem Erkenntnis gelangt, sollte man stets immer eine Tür für neue Erkenntnisse offen lassen und nicht den fehler zubegehen, mit sich abzuschliessen. Das ist der Lauf des Lebens. Solange man lebt, wird man nie aufhören zu lernen. In diesem Artikel sind diesbezüglich die Weisen Worte Gottes angegeben unterallem auch die von Hz. Ali.
    natürlich bezeichnet der Koran dies als eine einfache arabische Sprache. Jeder hat sie verstanden, doch es zu verstehen ist eine andere Sache, als sie zu interpretieren. Das beste Beispiel ist die Sure 96 (alak). Meinst du wirklich, die Menschen damals hätten gewusst, was mit dem “Blutklumpen” und “der sich Anklammernden” (Alak) gemeint war? heute können wir aus dieser Sure das Entwckicklungsstadium des Embryos verstehen. Gott betont zwar wie du sagtest, dass dies in einfacher arabischer Sprache herabgesandt wurde, Er jedoch gleichzeitig betont, dass Mehrdeutige Verse existieren und deren Wahre bedeutung niemand außer Gott kennt.

    “Lies! Im Namen deines Herrn, Der erschuf. Er erschuf den Menschen aus ‘Alaq (einem sich Anklammernden) Sure 96.

  5. Baycan Yanar says:

    Gott verlangt nicht, dass der Mensch alles richtig versteht, sondern den verstand gebraucht. Natürlich werden wir alle Fehler dabei machen. Doch sollen wir dabei stets immer die Vernunft einsetzen und versuchen zu verstehen. Dies entspricht eher der Botschaft dieser im Artikel erwähnten Koranverse, Aussprüche des Propheten und der von HZ. Ali. Doch schlimm ist es, fehler anderer zu übernehmen in dem man sich voll und ganz einem Diener Gottes hingibt. Dies nennt man “Taqlid” (Blinde Nachahmung). Wer beim taqlid die fehler anderer übernimmt und die Vernunft abschaltet, verstoßen wir somit gegen das Naturgesetz. Wie Hz. Ali schon sagte, “Wissen dehnt sich aus”. Wer den verstand abschaltet, den sein Wissen kann sich nicht mehr ausdehnen und somit wären diese Weisen Worte von Hz. Ali sinnlos.

  6. Chadidscha says:

    «Natürlich werden wir alle Fehler dabei machen.»

    Davon gehe ich aus – wenn sogar der Gesandte s.a.s. nicht aufhörte, immer wieder um Vergebung zu bitten, sich also bewusst war, Fehler zu machen….

    Nur möchte man natürlich das, was offenkundig ist, richtig machen, aber auch bei vordergründig Offenkundigem gehen ja die Meinungen auseinander.

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