Todesstrafe für Glaubensabfall?

Was Apostasie (Glaubensabfall) anbetrifft, verschwindet jeder Konflikt, wenn muslimischerseits erkannt wird, daß es nach Qur’an und die Sunna in dieser Welt keinerlei Strafe für den bloßen friedlichen Abfall vom Islam gibt. La ikraha fi-d-din (kein Zwang in Glaubensangelegenheiten; 2: 256) gilt nicht nur im Außenverhältnis, sondern auch zwischen Muslime. In diesem Vers wird verdeutlicht, daß jede Art von Zwang in der Religion schon von vornherein untauglicher Versuch ist. Ursprünglich wurden nur abtrünnige Ex-Muslime strafverfolgt, das aber zu Recht, wenn sie Hochverrat begangen hatten, also den Islam im Sinne der 5. Sure, Vers 33 aktiv bekämpften, ihm durch Verweigerung der geschuldeten Steuern schadeten oder auf Erden Unheil stifteten. Die Bestrafung von Hochverrat, vor allem im Krieg möglicherweise mit dem Tod, ist heute noch weltweit  Praxis und verstößt nicht gegen die Menschenrechte”. (Murad W. Hofmann, Der Islam im 3. Jahrtausend – S. 99/100). Im weitesten Sinn dieses Begriffs >>din<<, der sich auf alles erstreckt, was seine Lehren und deren praktische Konsequenzen betrifft, wie auch die Haltung des Menschen zum Gegenstand seiner Anbetung, schließt somit auch den Begriff des >>Glaubens<< mit ein (Muhammad Asad – Die Botschaft des Koran, Seite 95 Anmerkung 249) . Es ist daher viel angemessener, das Wort >>din<< in diesem Fall als >>Glaubensangelegenheit<< zu interpretieren, weil dies eine private Angelegenheit zwischen dem Schöpfer und Seinen Geschöpfen darstellt. Der Mensch hat nicht das Recht, eine Bestrafung nach eigenem Interesse durchzuführen, wenn nichts davon im Quran steht.  So wie der Quran die uneingeschränkte Freiheit gibt, eine Religion anzunehmen, gewährt er auch die uneingeschränkte Freiheit zum Austritt aus einer Religion. Menschen haben sich hier nicht einzumischen. Es handelt sich dabei allein um eine Angelegenheit zwischen dem Schöpfer und Seinen Geschöpfen. Y.N.Ö. Der verfälschte islam.

Der Prophet begegnete kurz vor der Zeit der Auswanderung (Hidschra) jenen außerordentlich verständnisvoll, die sich aufgrund von Verfolgung oder familiären Zwängen vom Islam abgekehrt hatten. Das war zum Beispiel bei zwei jungen Muslimen namens Hischam und Ayyash der Fall, die nach langem Ringen dem Islam abschworen. Dies hatte für sie keinerlei Sanktionen zur Folge.  Als die ersten Auswanderer nach Abbessinien gegangen waren, konvertierte Ubaydallah ibn Dschahsch zum Christentum. Weder der Prophet in Mekka, noch die in Abbessinien lebenden Muslime unternahmen etwas gegen ihn; er blieb Christ bis zu seinem Tod, ohne dass er deswegen jemals irgendwelche Sanktionen zu spüren bekommen hätte. Später in Medina verurteilte und bestrafte er jedoch jene streng, die vorgeblich und nur zu dem Zweck zum Islam übertraten, um Informationen über die Muslime zu erlangen, den Islam danach verleugneten, zu ihren Stämmen zurückkehrten und ihnen das, was sie herausfinden konnten, hinterbrachten. Sie betätigten sich damit als Kriegsverräter, die die Todesstrafe verdient hatten, weil ihr Tun zur Zerstörung der muslimischen Gemeinde hätte beitragen können. (Tariq Ramadan – Auf den Spuren des Propheten)

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