Der Koran historisch? Oder universell?

PDF DOWNLOAD

 

Ist der Koran als ganzes, zeitlos universell? Oder geschichtlich zu betrachten? Wir werden einige Koranverse auflisten und zeigen, dass der Koran als ganzes weder universell, noch vollständig zeitlich zu betrachten ist.

Wie können wir den Koran kategorisieren?

Das Buch Gottes ist in vier Kategorien zu unterscheiden.

1. -Universell
2. -Zeitlich/örtlich im Kontext
3. -Eindeutig klare Verse (Muhkem)
4. -Allegorische Verse (Mutesabih)

In jeder einzelnen Kategorie werden wir uns nur mit kurzen Beispielen vergnügen und nicht alle Koranverse diesbezüglich auflisten.

Die universellen Verse des Korans beinhalten Botschaften wie die Beschreibung der Einheit Gottes (Monotheismus), Ihm nichts beizugesellen, die rituellen Gottesdienste wie auch die 10 Gebote. Zu entnehmen sind sie aus folgenden Koranversen: 17: 22-39;  2:255;  112: 1-4;  6:151. Diese sind auch in die dritte Kategorie der Eindeutigen (Muhkem) Verse einzuordnen.

Die zeitlich im Kontext zu betrachtenden Koranverse sind diese, die das Thema der Sklaven behandeln wie in Koran 4:25 wo es heißt: “Falls sie (die Sklavin) nach der Heirat eine schändliche Tat begehen, fällt ihnen nur die Hälfte der Strafe zu, die eine Freie bekommt”. Der Vers verliert somit den Wert in einer Gesellschaft, wo keine Sklaven mehr existieren. Spannend wird es in Sure 24, Vers 58: “O ihr Gläubigen, eure Leibeigenen und eure Kinder, die in der Pubertät sind, sollen, wenn sie zu euch eintreten wollen, euch zu drei Zeitpunkten um Erlaubnis bitten: vor dem Frühmorgengebet, um die Mittagszeit, wenn ihr eure Kleider ablegt, und nach dem Abendgebet. Das sind drei Zeitpunkte, zu denen eure Blöße sichtbar werden könnte (…)”. Diesem Vers betreffend kamen laut einer Überlieferung zufolge eine Gruppe irakischer Muslime zu Ibn Abbas, dem Cousin des Propheten (s). Da niemand mehr nach diesen Anweisungen handelte, waren sie verunsichert gewesen und wollten Rat von ihm, wie sie sich dieser Angelegenheit verhalten sollten. Ibn Abbas antwortete wie folgt: “Damals gab es in den Häusern der Menschen keine Tür oder Abtrennung, die die Menschen beim Eintreten hätte hindern können”. (Siehe hierzu Ibn el-Arabi, Ahkam al-Kur’an, Bd. 3, 414; Al-Qurtubi al-Gami Bd. 12, 199)

Darüber hinaus gibt es Verse, die sich nicht nur zeitlich und universell unterscheiden, sondern auch zahlreiche Aussagen befinden, die zwar im Kontext gesprochen,  jedoch eine zeitlose Botschaft enthalten wie z.B. in Situationen der Selbstverteidigung, Körperstrafen (nicht wörtlich anzuwenden), Verkürzungen der Gebete auf Reisen etc.

Der Gelehrte aus dem 20. Jahrhundert Muhammad Asad (gest. 1992) glaubt, im Koran habe jedes Wort eine absolut universale Botschaft (Siehe hierzu Muhammad Asad – Die Botschaft des Koran). Asads Erklärung ist eine interpretatorische Einstellung, die einer Vergewaltigung des Korantextes gleichkommt. Nun gibt es aber auch Koranstellen, die nicht einmal durch einstellende Interpretation universalisiert werden können. (Der Theologe Mustafa Öztürk – Der Koran als geschichtliche Rede S. 10)

Der Theologe Öztürk führt als Beispiel folgenden Koranvers auf:
>Sie sagen: “Was diese verbotenen Tiere in den Leibern tragen, geht ausschließlich an unsere Männer und ist unseren Frauen verboten. ” Ist es aber tot geboren, dürfen Männer und Frauen davon essen. Gott wird sie für ihre falschen Verbote und Gebote bestrafen. Seine Weisheit und Sein Wissen sind unermeßlich.< (6;139) Offenkundig ist in diesem Vers von mekkanisch-heidnischen Opferbräuchen die Rede. Sie gehören jetzt allerdings der Vergangenheit an. (Musta Öztürk)

Was die allegorischen Koranverse betreffen, so sind folgende zu erwähnen:
“An diesem Tage werden Wir zur Hölle sprechen: >>Bist du aufgefüllt?<< Und sie wird fragen: >>Gibt es noch mehr?<< Koran 50:30

Wenn es zum Beispiel heißt, Gottes Hand liege über denjenigen, die Mohammed Treue geloben (Koran 48:10), lässt sich von heute aus nicht mehr sagen, ob die frühen Muslime den Ausdruck “Hand” wörtlich genommen oder wie sie sich die Bedeutung eines solchen Bildes ansonsten vorgestellt haben.  (Prof. Dr. Nasr Hamid Abu Zaid)

Zu allerletzt wollen wir den islamischen Philosophen Roger Garaudy zu Wort kommen lassen:

“Diese klare koranische Unterscheidung schließt jegliche Buchstabentreue aus und ruft uns dazu auf, über die Beispiele nachzudenken, statt den im Koran auch aufgeführten historischen Vorschriften eine blinde Anwendung für alle Zeiten folgen zu lassen. Eine gesetzliche Disposition unter dem Vorwand, dass sie im Koran stehe, buchstabengetreu anzuwenden bedeutet, das ewige Gesetz Gottes, mit einer Gesetzgebung zu verwechseln, die für den Mittleren Osten im 7. Jahrhundert gedacht war. Beide tauchen natürlich im Koran auf, aber die Verwechslung beider und ihre blinde Anwendung – unter Nichtbeachtung des häufig im Koran wiederholten Aufrufs zur Überlegung – macht es uns unmöglich, von der lebendigen Botschaft, von lebendigen und ewig aktuellen Koran, vom lebendigen Gott zu zeugen”. (Roger Garaudy – Größe und Niedergang des Islam)

 

 

This entry was posted in Allgemein. Bookmark the permalink.

8 Responses to Der Koran historisch? Oder universell?

  1. Colin says:

    Gefaellt mir gut die Seite. Tolle Themenwahl.

  2. Dies scheint ein enorm interessanter Blog zu sein.Dieses Statement hat mir enorm getaugt und ich werde eventuell erneut vorbeisehen.Mit vielen Grüßen

  3. Eddy says:

    Sehr gut verfasst ! Vielen Dank!

  4. Eddy says:

    “Der Theologe Öztürk führt als Beispiel folgenden Koranvers auf:
    >Sie sagen: “Was diese verbotenen Tiere in den Leibern tragen, geht ausschließlich an unsere Männer und ist unseren Frauen verboten. ” Ist es aber tot geboren, dürfen Männer und Frauen davon essen. Gott wird sie für ihre falschen Verbote und Gebote bestrafen. Seine Weisheit und Sein Wissen sind unermeßlich.< "

    Kannst Du die entsprechende Sure und den Vers dazu geben?

  5. Pingback: Quellen, Diskurse und Perspektiven zum Islamischen Recht und zur Theologie « Serdargunes' Blog

  6. Hesse says:

    Kann mir jemand ein rationales Argument nennen, warum z.b. Auspeitschungen im 7. Jahrhundert zeitgemäß gewesen sind und heute nicht mehr? Weil die Menschen heute dagegen sind? Ist das ein Argument dafür? Kein Mensch hat das Recht sich herauszunehmen, die Gesetze Gottes für nicht mehr zeitgemäß zu erklären. Als nächstes wird gesagt, 5 mal beten wäre nicht mehr zeitgemäß oder im Ramadan fasten.

  7. Baycan Yanar says:

    “Der Koran hat sich diese Strafen nicht ausgedacht, sondern es waren die Strafen, die die Gesellschaften damals angewendet haben. Hier zählt nicht der Buchstabe der gesetzlichen Regulierungen, sondern es kommt auf die tiefere Bedeutungsebene an, darin liegt die ethische Botschaft” (Abu Zaid – Mohamed und die Zeichen Gottes)

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>