Gleichgeschlechtliche Beziehung im Islam

 

“”Und wenn welche von euren Frauen abscheuliches (fahischa) begehen, dann ruft vier von euch als Zeugen gegen sie auf. Bezeugen sie es, dann schließet sie in die Häuser ein, bis der Tod sie ereilt oder Gott ihnen einen Ausweg eröffnet. Und wenn zwei von euch (Männern) es begehen, dann bestrafet sie beide. Wenn sie dann bereuen und sich bessern, so laßt sie für sich. Wahrlich, Gott ist allverzeihend, barmherzig.”" (Koran 4:15-16)

Zu behaupten, Homosexualität wäre legitim weil der Koran nur Unzucht und Ehebruch behandle:
Wir möchten auf einige bedeutende Koran Kommentatoren aufmerksam machen, wie sie den Begriff >fahischa< als solchen verstanden und interpretiert haben:

Der pakistanische Gelehrter Abu A’la Mavdudi gest. 1979 übersetzte den Begriff (faischa) als Ehebruch und kommentierte, dass diese beiden Verse 15-16 durch 24:2 (100 Hieben für Ehebruch) abrogiert wurde. (Tefhimu’l-Kur’an Band 1, S. 339)

Nach den meisten Kommentatoren bezieht sich dies auf unmoralisches Verhalten seitens eines Mannes und einer Frau wie auch auf homosexuelle Beziehungen. Einige Kommentatoren schreiben dem Begriff (fahischa) die Bedeutung von >Ehebruch< oder >Unzucht< zu und sind folglich der Meinung, dass dieser Vers abrogiert wurde durch 24:2, wo die Strafe von einhundert Hieben für jede der schuldigen der Parteien festgetzt wird. Diese ungrechtfertigte Annahme muss jedoch verworfen werden. (Muhammad Asad – Die Botschaft des Koran S. 152) Siehe auch dem Vater der Kommentierung Fahreddin er-Razi (gest. 1208), der den Begriff (fahischa) auf Gleichgeschlechtliche Beziehung deutet in Metafihu’l-Gayb, IX. 187.  Einer der ältesten Gelehrten Ebu Muslim el-Isfahani (gest. 755) lehnte generell eine Abrogation strikt ab und bezieht sich in 4:15-16 auf Homosexualität/Lesben. Diese Interpretation wird vom ehemaligen Präsidenten für religiöse Angelegenheiten der Diyanet und Mufessir (Koran Kommentator) aus der Türkei Prof. Dr. Süleyman Ates unterstrichen (Süleyman Ates Band 2, S. 227)

Es wäre ungerecht und unausgewogen zu behaupten, dass der Koran die Gleichgeschlechtliche Beziehung nicht behandeln würde und daraus einen Analogieschluss zuziehen, diese zu legitimieren während der Koran (24:2) einen Ehebruch/Unzucht zwischen einem Mann und einer Frau verurteilt. “”Und das Wort deines Herrn ist in Wahrhaftigkeit und Gerechtigkeit”" (Koran 6:115)

Der Begriff >fahischa< wird in folgenden Versen als Ehebruch/Unzucht und als Gleichgeschlechtiche Beziehung gleichermaßen verwendet: (Koran 4:15, 25; 7:80; 17:32; 27:54; 29:28)

Einer der ersten und bedeutendsten Koran Kommentatoren der islamischen Geschichte Mudschahid kommentierte die Sure 4:15-16, dass es sich dabei um Gleichgeschlechtliche Beziehung handelt (Siehe Mudschahid, Tafsir S. 149).

Celaleyn (gest. 1459) ist der Ansicht, dass der Begriff (fahischa) auf Ehebruch wie auch für Gleichgeschlechtliche Beziehung verwendet werden kann (“Tefsîru’l-Celâleyn”)

Muhammad Abduh (gest. 1905) schrieb zum Thema folgendes: “Ich bevorzuge die Sicht von Ebu Muslim (siehe oben), nämlich, dass die Verse 15-16 der Sure 4 die Gleichgeschlechtliche Beziehung thematisiert”. (Tefsiru’l Manar Band 4, S. 530)

Auch wird die These vom modernen und liberalen Theologen Prof. Dr. Yasar Nuri Öztürk unterstrichen in (Kuran’in Temel Kavramlari; Band 2, S. 524-527).

Prof. Dr. Seyyid Qutb (gest. 1966) erläutert den Vers 16 der Sure 4 “Und wenn zwei von euch (Männern) es begehen”, dass es sich hierbei um Homosexuelle Männer handelt. (Fizilal Kur’an Band 2. S. 413)

Die von der Diyanet unterstütze Koranausgabe “Yüce Kur’an – Yorumlu Meal”, verfasst von drei rationalorientierten Theologen (Prof. Dr. Cemal Sofuoglu; Prof. Dr. Abdülkadir Sener; Prof. Dr. Mustafa Yıldırım) deuten die 4:15-16 auf Gleichgeschlechtliche Beziehung.

der Koran ordnet in 4:25 für verheiratete unfreie (also für Sklaven) die diese Tat begehen die Hälfte der Strafe an. Man könnte auch rhetorisch die Frage stellen, was die Hälfte der Strafe für verheiratete Sklavinnen sein kann, wenn sie für immer zu Hause eingesperrt werden sollen?

Prof. Dr. Süleyman Ates schrieb hierzu folgendes: “Für verheiratete Sklaven ob männlich oder weiblich, ist die Hälfte der Strafe die für das Begehen des Ehebruchs (24:2) angeordnet ist anzuwenden. Nämlich 50 Hieben. >>Süleyman Ates Band 2, S. 262 wie auch (Muhammad Abduh/Rasit Riza – Tafsirul Manar Band 5, S. 45<<

Was ist nun mit den Sklaven die nicht verheiratet sind? Der Koran hat für unverheiratete Sklaven keine Strafe angeordnet. Laut Ibn Abbas, der Cousin und bedeutender Weggefährte des Propheten und Said b. Cubeyr sind sie in der Hinsicht vernünftig zu erziehen und zu ermahnen. >Ibn Kathir Band 2, S. 495<
Said b. Cubeyr gest. 713 gehörte zu den ersten 3 Generationen (Tabiun).

Die Körperstrafen sind historisch im Kontext zu betrachten und besitzen keine Universalität, denn sie waren die üblichen Strafen die damals angewendet wurden. Hier zählt nicht der Buchstabe der gesetzlichen Regulierungen, sondern es kommt auf die tiefere Bedeutungsebene an, darin liegt die ethische Botschaft. “”Der schlimmste, für die Zukunft des Islam tödliche Fehler bestünde darin, das ewige göttliche Gesetz, die Scharia, mit dem Figh (Gesetzgebung) des 7. Jahrhunderts zu verwechseln”". Der islamische Philosoph Roger Garaudy

>>Nichts haben Wir in dem Buch übergangen. (Koran Sure 6, Vers 38)<<

Weiteres zum Thema Homosexualität im Islam klicke >Hier<

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