Die Kritik über den Diskurs der naturwissenschaftlichen Auseinandersetzung des Korans

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Seit geraumer Zeit hat sich in der islamischen Theologie ein Diskurs entwickelt, ob der Koran wissenschaftliche Erkenntnisse an die Menschheit mitteilt. Besonders auffallend ist die Ankarana Schule, die für eine rationalorientierte Koranauslegung bekannt ist. Nach dieser theologischen Strömung kritisieren sie hauptsächlich eine naturwissenschaftliche herangehensweise zum Koran mit der Begründung, dass es primär davon abhängig ist, wie die ersten Adressaten der Offenbarung (die Gefährten des Propheten) es verstanden haben. Es ist nicht zu übersehen, dass diese Art der Hermeneutik für das Verständnis des Koran für die erste Generation eingeschränkt bleibt. Bestätigend lässt sich dies bei der Äußerung von Prof. Dr. Ömer Özsoy zeigen:

“Fängt man einmal an, den Koran als übergeschichtlichen Text zu lesen, führt das zwangsläufig dazu, ihn über jeden möglichen Gegenstand sprechen zu lassen; und das ist nichts anderes als Entstellung (tahrif). Diesem Verständnis zufolge ist der Koran kein übergeschichtliches Manifest, sondern eine geschichtliche Verkündigung in der Geschichte und für die Geschichte” (Prof. Dr. Ömer Özsoy – [Erneuerungsprobleme zeitgenössischer Muslime und der Koran] übersetzt von Felix Körner >Alter Text – neuer Kontext; Koranhermeneutik in der Türkei heute< S. 24-25; Herder Verlag).

Für den türkischen Theologen Professor Ilhami Güler, ist es nicht die Aufgabe einer heiligen Schrift, wissenschaftliche Erkenntnisse mitzuteilen. Die grundlegende Aufgabe der Offenbarung ist für Güler folgende:

Es geht dem Koran nicht hauptsächlich darum, Naturwissenschaftliche Begebenheiten kund zu tun. Vielmehr läutert die Schrift, die Menschen und die Gesellschaft auf den rechten zu weisen und dabei ihre Probleme zu lösen“ (Dine Yeni Yaklasimlar, S. 32).

Wenn wir annehmen, der Koran sei nur offenbart worden, um die damaligen Probleme der Gesellschaft zu lösen, muss man sich mit folgenden Fragen kritisch auseinander setzen:

Welche Probleme sollten bei dem Vers gelöst werden wenn es heißt, dass alles Leben aus Wasser entstanden ist? So heißt es im Koran: “Gott hat alle Lebewesen aus Wasser erschaffen” 24:45. Dr. Murad Wilfried Hofmann beschreibt in seiner Fussnote zu dem Vers: “Dies wurde von der modernen Naturwissenschaft erhärtet” (Der Koran, übersetzt von Max Henning S. 287 Diederichs Verlag).

“Er ist es, der die Nacht und den Tag, die Sonne und den Mond erschaffen hat. Jeder schwebt in seiner Bahn dahin” Koran 21:33. Welche Probleme sollten damals mit diesem Vers beseitigt werden? Diese Tatsachen, die im Koran stehen, sind erst durch astronomische Beobachtungen in unserem Zeitalter entdeckt worden. Entsprechend den Berechnungen der Experten folgt die Sonne mit der enormen Geschwindigkeit von 720.000 Kilometern pro Stunde der Richtung des Sternes Vega auf einer Bahn, die “Solar Apex” genannt wird. Dies bedeutet, dass die Sonne ungefähr 17.280.000 Kilometer Pro Tag zurücklegt. Zusammen mit der Sonne legen innerhalb ihres Gravitationsstystems auch alle anderen Planeten und ihre Monde die gleiche Strecke zurück (Adem Yakup – Die Wunder im Quran 1. S. 34.)

Zum Thema, dass die Erde und die Himmel denselben Ursprung hatte, wollen wir den Wissenschaftler Dr. Alfred Kröner zu Wort kommen lassen: “Jemand, der vor vierzehnhundert Jahren nichts über Nuklearphysik wusste, konnte meiner Meinung nach nicht von selbst herausfinden, dass die Erde und die Himmel denselben Ursprung hatten” (Wissenschaftliche Erkenntnisse im Koran S. 39).

“Haben die Leugner der Wahrheit nicht gesehen, daß die Himmel und die Erde in einem einzigen Stück waren, dann zerteilten Wir sie?” 21:30.

Auch gibt es außerhalb der Ankarana Schule Theologen wie Ahmet Baydar, die naturwissenschaftliche Aussagen im Koran ebenfalls nicht akzeptieren. So sagt er:

“Wenn ihr versucht, wissenschaftliche Aussagen aus dem Koran hervorzubringen, dann gibt es durchaus auch wissenschaftliche Gegenthesen zu dieser Koraninterpretation” (Modernlesme sürecinde Kur’an ve Mütesabihler S. 39).

Ahmet Baydar bleibt der Antwort schuldig, um welche Koranverse es sich dabei handeln könnte, die seitens der Wissenschaft dem Koran widersprochen wird? Für diese Behauptung wird uns von ihm leider keine Beispiele genannt.

Darüber hinaus gibt es Gelehrte wie Prof. Dr. Süleyman Ates, der seine 12 Bändige Koranexegese als “Zeitgenössische Koraninterpretation” benannt hat. Nicht zu übersehen besteht die Neuheit darin, dass Süleyman Ates Bilder und Graphiken zur Illustration bestimmter Themen in seinem Werk aufgenommen hat. Zum Beispiel hat er Bilder über die Entwicklung des Embryos, die verschiedene Koranverse erläutern, dargestellt (Siehe hierzu Bd. 10; S. 187-232).

Auch wenn der Koran für die Rechtleitung und das Lösen der Probleme für die damalige Gesellschaft geoffenbart wurde, gibt es darüber hinaus auch jene Verse, die heute durch die Moderne Wissenschaft entdeckt worden sind. Der Koran ist demnach lebendig und fasziniert die Menschen in jeder Epoche.

Siehe zum Thema auch in >Antikezukunft.de<

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One Response to Die Kritik über den Diskurs der naturwissenschaftlichen Auseinandersetzung des Korans

  1. mellymell says:

    Toller Beitrag! Meiner Meinung nach verstümmelt man den Koran, wenn man ihn versucht in eine Epoche einzusperren. Sehr guter Artikel lieber Tavhid Autor!

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