Rezension zu Mouhanad Khorchide; “Scharia – der missverstandene Gott”

scharia

Scharia. Ein Begriff, was nicht nur in der Öffentlichkeit Angst und Schrecken verbreitet, sondern auch durch die Art und Weise der Praxis als solches was man darunter verstanden hat, führte letzten Endes auch Muslime durch die archaische Anwendung in Angst und Schrecken.

Prof. Dr. Mouhanad Khorchide gelingt es in seinem neuen Buch “Scharia – der missverstandene Gott” nicht nur hermeneutische Denkansätze erfolgreich darzustellen, sondern auch “die missverstandenen Begriffe” die zu einem “missverstandenen Gott” geführt haben, mit starken Primärquellen aus dem Koran und der Sunna zu erläutern. Scharia bedeutet “Weg zur Quelle” (S. 73). Um diesen Begriff als ein juristisches Instrument zu widerlegen, bezieht er sich zum Beispiel auf die Stelle 5:48 im Koran, wo es darin heisst, dass verschiedene Gesetze und Wege unter den monotheistischen Religionen wie dem Christentum, Judentum und Islam bestimmt wurde, wobei der Begriff “Schir’a” was “Scharia” bedeutet im Arabischen vorkommt, im selben Vers jedoch von derselben Botschaft die Rede ist. Diese Interpretation von Ihm findet seine Unterstützung im Vers 13 der Sure 42 wo es darin ebenfalls heisst, dass den Früheren Propheten wie Noah, Moses und Jesus und Mohammed das gleiche Gesetz gegeben worden ist. Mit diesen Beispielen ist es dem Islamwissenschaftler gelungen, aus dem Koran selbst den Begriff “Scharia” zu definieren. Denn es kann nicht von juristischen Mitteln die Rede sein, da in der Thora und im Evangelium verschiedene Bestrafungen wie z.B. bei Unzucht definiert worden ist. Eine sehr wissenschaftliche Vorgehensweise konnte man bei der Differenzierung der früh mekkanischen und den medinensischen Suren beobachten. Solch eine Annäherung zum Koran ist von großer Bedeutung, um eine Kontextualisierung wie auch die Offenbarungsanlässe auf wissenschaftlicher Basis darstellen zu können, um die Begrifflichkeit wie die “Scharia” nicht im Sinne einer Ansammlung von detaillierten juristischen Regelungen zu verstehen. Einer seiner mutigsten Schritte war eine kritische Auseinandersetzung der Hadithwissenschaft. Er kritisiert die im sunnitischen Islam für “unantastbar” geltenden Autoritäten wie die Sammlungen von Bucharyy und analysiert die Niederschrift der Hadithe, deren Quellen ebenfalls eine Authentizität bei den Sunniten darstellen. Es führt tatsächlich kein Weg daran vorbei, dieses kritisch zu hinterfragen um zu der Erkenntnis zu gelangen, dass die “Sunna in einer politisch sehr angespannten Lage systematisch gesammelt und verschriftlich wurde“.

Er kritisiert bei vielen Muslimen die fehlende Selbstreflexion und fordert zu Recht, dass eigene Intentionen stets neu hinterfragt werden sollten. Denn “die koranische Botschaft ist auf Veränderung und Entwicklung des Menschen und seiner Gesellschaft ausgerichtet, nicht auf Stillstand und Herkommen” (S. 54).

Ein Buch, das viele Fragen formuliert und sie dann auf Beste Art beantwortet. Ein Buch, worin die Scharia als ein dynamisches Modell, das neben dem Weg des Herzens zu Gott das Prinzip “Gerechtigkeit” beschreibt. Ein Buch, dass die Gott-Mensch-Beziehung zwischen hinterfragten und unhinterfragten differenziert. Ein Buch, was ich niemanden vorenthalten möchte.

Salamu aleikum.

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2 Responses to Rezension zu Mouhanad Khorchide; “Scharia – der missverstandene Gott”

  1. Wenn man diktatorisch wäre, müsste jeder Muslim das Buch lesen, und wenn er es nicht verstanden hat, so oft, bis er es versteht. Ein tolles Buch, ein Buch, das gut tut.

  2. Eddy says:

    Ja super Kommentar! Bin beeindruckt! Weiter so!

    LG Eddy

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