Wie der Liberale Islamverständnis zur Destruktivität führt

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“Der Antidogmatismus sei mindestens so missionarisch wie der Dogmatismus; der antidogmatische Relativismus sei der letzte Form des europäischen Universalismus. Kurzum, der Liberalismus, der das liberale System zum Inhalt eines säkularen Glaubens mache, sei als Ideologie genauso Intolerant wie andere Ideengebäude”. (Murad Wilfried Hofmann; Reise nach Mekka, s. 201).

Häufig kontrovers wird das Liberale Islamverständnis oft zum Vorschein gebracht, wenn es darum geht, sich vom Traditionellen Islam zu distanzieren. Die Verfechter dieser Art des Islamverständnisses tendieren vornehmlich dazu, dass es nur eine ernsthafte Alternative zum orthodoxen Islamverständnis geben kann, indem die Religion einer ausgesprochen liberalen Interpretation unterzogen wird. Daher das althergebrachte Motto: wer nicht lieberal ist, wird automatisch zum orthodox/fundamentalistischen Lesart geneigt sein. In solch einer ideologisierten Denkrichtung wird sinngemäß behauptet, man bringe stets die Intention des Korans in den Vordergrund, indem man auf eine historisch kritische Analyse fokussiert (siehe Dr. Lale Akgün – WDR 22.06.2015; Wie liberal ist der Islam in Deutschland?). Diese Methodenlehre ist jedoch nicht abhängig vom liberalen Islamverständnis, sondern sie ist unmissverständlich fester Bestandteil der klassischen Exegesenliteratur. Hierzu soll ein Fallbeispiel genügen:

In der Sure 24, Vers 58 heißt es: “O ihr Gläubigen, eure Leibeigenen und eure Kinder, die in der Pubertät sind, sollen, wenn sie zu euch eintreten wollen, euch zu drei Zeitpunkten um Erlaubnis bitten: vor dem Frühmorgengebet, um die Mittagszeit, wenn ihr eure Kleider ablegt, und nach dem Abendgebet. Das sind drei Zeitpunkte, zu denen eure Blöße sichtbar werden könnte (…)”. Diesem Vers betreffend kamen laut einer Überlieferung zufolge eine Gruppe irakischer Muslime zu Ibn Abbas, dem Cousin des Propheten (s). Da niemand mehr nach diesen Anweisungen handelte, waren sie verunsichert gewesen und wollten Rat von ihm, wie sie sich dieser Angelegenheit verhalten sollten. Ibn Abbas antwortete wie folgt: “Damals gab es in den Häusern der Menschen keine Tür oder eine Abtrennung der Wohnräume, die die Menschen beim Eintreten des Wohnraumes hindern könnte” (siehe hierzu Ibn el-Arabi, Ahkam al-Kur’an, Bd. 3, 414; Al-Qurtubi al-Gami Bd. 12, 199).

Aus den nachfolgenden Beispielen geht es viel mehr darum, den Islam mitsamt seiner universellen Botschaft nur auf die Ethik zu reduzieren. Daraus wird unter anderem die Gleichgeschlechtliche sexuelle Beziehung legitimiert bzw. als ontologisches Idealbild idealisiert (Vgl. Hierzu das Positionspapier vom LIB e.V.zur Frage der Homosexualität im Islam).

Der ehemalige deutsche Botschafter in Algerien und Marokko und muslimischer Konvertit Dr. Murad Wilfried Hofmann bringt es adäquat mit dem folgenden Satz auf den Punkt: “Nachteilig für die Zukunft des Islam in Deutschland ist ferner die Tätigkeit von nominellen bzw. Kultur-Muslimen liberaler oder marxistischer Herkunft, die aus der arabischen Welt eingewandert sind und unter Ausnutzung ihrer hohen Glaubwürdigkeit bei den Medien einen Pflegeleichten >>Euro-Islam<< (mit viel Euro und wenig Islam) propagieren und dabei die praktizierende Muslime wie Fanatiker aussehen lassen” (Der Islam im 3. Jahrtausend, S. 209; Diederichs Verlag Nr. 2).

“Was nütze Der Islam dem Westen (und den Muslimen), wenn er sich nicht mehr von ihm Unterschiede?.” (Ebenda; 105).

Der laut den Medien als Vordenker des Liberalen Islams in Deutschland deklarierte Prof. Dr. Mouhanad Khorchide aus Münster, verfolgt in seinem Buch “Gott ist Barmherzigkeit” äußerst widersprüchliche Vorstellungen in Bezug zur Ethik und Religion. Im Kapitel “Religion ist nicht nur Ethik” gelangt er der Ansicht, dass man nichteinmal an Gott glauben müsse, um ein Muslim zu sein: “…jeder, der sich zu Liebe und Barmherzigkeit bekennt und dies durch sein handeln bezeugt, ist ein Muslim, auch wenn er nicht an Gott glaubt” (Islam ist Barmherzigkeit, Grundzüge einer modernen Religion S. 88, Herder Verlag Nr. 1). Im Gegensatz zu Khourchids subjektiv/eigensinnigen Auslegung, betont der Koran ausdrücklich das Gegenteil davon: “diejenigen die glauben und gutes tun” (vgl. Sure 2, Vers 62 und Sure 5: Vers 69). Explizit wird hier der Glaube an Gott unumstößlich vorausgesetzt.

Des Weiteren wurde schon zuvor von dem Theologen und Dekan der theologischen Fakultät von „University of Islamic Life“ Dr. Ecevit Polat die voreingenommene Herangehensweise von Khourchide, vehement in Frage gestellt: “Der Münsteraner Religionspädagoge Mouhanad Khorchide vertritt in diesem Zusammenhang die Ansicht, dass der Islam nicht einmal eine Anleitung zur Spiritualität -ganz zu schweigen von- ein ausgerichtetes Leben auf Gott vorzuweisen habe: „Der Islam gibt keine Instruktionen, wie genau das Herz geläutert wird, wie das Leben auf Gott hin ausgerichtet werden kann...” (Scharia-der missverstandene Gott, S.128, Herder Verlag 2013). Hierbei fällt allerdings auf, dass Khorchide -bewusst oder unbewusst- sämtliche Koranverse einfach ignoriert, die genau das Gegenteil inkludieren. Die Muslime sind durch den Koran dazu angehalten, den Propheten Muhammad (s) für ihre Lebensgestaltung als Vorbild zu nehmen: „Es ist schon für euch im Gesandten Gottes ein gutes Beispiel für den, der auf Gott hofft und den Letzten Tag und sich viel an Gott erinnert“ (33:21). Dementsprechend erläutert der Koran am Prototyp und der Lebensweise von Muhammad (s), dass eine Läuterung des Herzens ausnahmslos durch die vorbildliche Befolgung der Sunna zu realisieren wäre: „Wir haben euch sogar einen Gesandten aus eurer Mitte erstehen lassen, der euch Unsere Botschaften vorträgt und euch läutert und euch das Buch und die Weisheit lehrt und euch lehrt, was ihr nicht wusstet“ (2:151). Hiernach stellt der gesamte Koran eine Läuterung für die Gläubigen dar und weist des Weiteren noch, wie das Leben auf Gott ausgerichtet werden kann. (siehe ausführlich den Beitrag in: http://antikezukunft.de/2015/12/13/oemer-oezsoy-und-die-hanifen-im-koran/).

Eines der Kritikpunkte des liberalen Islam, betrifft sicherlich das Gemeinschaftliche Gebet, welches mit Männern und Frauen in Reihen gemischt verrichtet wird. Gottesdienstliche Praktiken, die vom Propheten nicht verrichtet wurden, widersprechen evident den theologischen Grundlagen des Islams, welches durch einen authentischen Hadith verständlich wird: “Verrichtet die Gebete so, wie ich sie verrichte” (vgl. Bukhari, Nr. 631). Deshalb können in diesem Zusammenhang keine Erneuerungen durchgeführt werden. Auch kann keineswegs die Rede davon sein, idschdihad in gottesdienstlichen Handlungen einzuführen, da diese grundsätzlich von den autoritativen Texten der Religion negiert wird.

Ein weiteres Thema sorgte gleichermaßen für eine Kontroverse, als der ebenfalls als liberal geltende Prof. Ömer Özsoy von der Universität Frankfurt sogar soweit ging und dazu noch nachhaltig plädierte, dass der Mensch auf eine zusätzliche Anleitung durch die Boten Gottes, nicht angewiesen seien (Online abrufbar unter:http://www.deutschlandfunk.de/sure-30-vers-30-gott-wollte-keine-religionsgemeinschaften.2395.de.html?dram:article_id=333622). 

In diesem Zusammenhang wären die Propheten wie auch die heiligen Schriften, einschließlich in ihreren zahlreichen Bestimmungen überflüssig. Es war jedoch nicht verwunderlich, dass dieser Artikel, gerade in Liberalen Kreisen positiv rezipiert und entsprechend auch verbreitet wurde.

Der Dichter und Philosoph Muhammad Iqbal (gest. 1938), für die Modernen muslimischen Denker ein wichtiger Mentor schlecht hin musste selbst einräumen, dass “das Erscheinen liberaler Ideen im Islam auch den kritischsten Augenblick in der Geschichte des Islam darstellt. Liberalismus neigt dazu, als Kraft der Desintegration zu wirken, und der Rassengedanke, der im modernen Islam stärker als je zuvor zu wirken scheint, könnte schließlich die großzügige menschliche Haltung hinwegfegen, die die Muslime aus ihrer Religion schöpfen” (Muhammad Iqbal, Die Wiederbelebung des religiösen Denkens im Islam, S. 191).

Vielleicht könnte man sich ernsthaft hier die Frage stellen, welche Funktion die Religion überhaupt noch eine Rolle im Alltag eines Gläubigen einnehmen sollte? Ohne Zweifel bewegt sich das liberale Islamverständnis in die Wertebeliebigkeit. Wenn es nur das spirituelle zu sein scheint, dann bräuchte man für sein selektives Bedürfnis nicht unbedingt den Islam, sondern könnte sich genau so gut dem Joga, oder dem spirituellen Pfad des Dalai Lama anschließen!

 

 

 

 

 

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