Die Shahadah (Glaubensbekenntnis)

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Die erste Shahadah, welche die göttliche Einheit bezeugt, ist der Urquell aller islamischen Lehre wie auch aller muslimischen Praxis. >> Keine Gottheit außer Gott<< weist darauf hin, daß nichts absolut ist außer dem Einzigen Absoluten; nichts ist gänzlich real außer Der Realität, die Eins und unteilbar ist. Daraus folgert auch, daß es keine Kraft außer Der Kraft gibt, keine Liebe außer Der Liebe, keine Barmherzigkeit außer Der Barmherzigkeit, keinen Helfer außer Dem Helfer, und, auf der dunkleren Seite der menschlichen Erfahrung, keinen Mörder oder Totschläger außer dem Totschläger und keinen Rächer außer dem Rächer; und daraus folgert wieder, daß Er allein uns aufrichtet und Er allein uns niederwirft, uns Reichtum gibt oder nimmt, uns glücklich oder traurig macht. Er allein ist Der Urheber, und Er allein ist die Ursache.

Die Shahadah unterscheidet zwischen Dem-was-nicht-Gott-ist und Gott Selbst und führt das Erstgenannte – alles, was als >>anders<< erscheint zu seinem Ursprung und seiner wahren Identität zurück. Vollkommene Unvergleichbarkeit heißt, daß nichts neben Den Unvergleichbaren gestellt werden kann. Gemäß einem hadith qudsi (einem der direkt inspirierten Aussprüche des Propheten) >>war Allah, und nichts war neben Ihm<< und man sagt,  Ali habe hinzugefügt: >> Und Er ist jetzt noch so wie Er immer war<< Um hier einen von Muhammads Lieblings Koranversen zu zitieren: >>La hawla wa la quwata illa billah<< (Es gibt keine Kraft und keine Macht außer bei Allah.<<

Die Shahadah kann auf verschiedene Art und Weise analysiert werden, immer im Hinblick auf das Ziel, sie unserem Geist und unserem Herzen tiefer und tiefer einzuprägen. Sie kann zum Beispiel in zwei Teile aufgeteilt werden, eine Verneinung und eine Bestätigung: >>Keine Gottheit<< bezieht sich auf die Welt und reduziert diese zum Nichts, falls sie von ihrer Quelle getrennt ist, oder man sie als von ihr getrennt ansieht; >>außer Allah<< bezieht sich auf Die Wahrheit, und nachdem die Shahadah einmal >>Nein<< gesagt hat zu einer Welt das sich anmaßt, sich selbst als kleinen Gott aufzuspielen, sagt sie >>Ja<< innerhalb dieses gleichen Rahmens und setzt die Welt wieder in eine Existenz ein, die durch ihre totale Abhängigkeit von Dem Einen bestimmt ist. Die Shahadah ist nicht nur Doktrin, sondern auch Praxis oder der Schlüssel zur Praxis. Ihre Wahrheit ist etwas, das assimiliert und gelebt werden muß, und deshalb sprechen wir, wenn wir von dem Islamischen Credo sprechen, nicht von einer Abstraktion, sondern von dem Weg, nach dem Männer und Frauen ihr ganzes Leben ausrichten, ihr Wachen und ihren Schlaf, ihre Arbeit und ihre Ruhe, die Worte, die sie im Umgang miteinander gebrauchen, und die Gesten, die sie machen, wenn sie sich lieben, das Pflanzen eines Pflänzleins und das Einbringen einer Ernte, das Öffnen eines Hahns, aus dem Wasser fließt, und sein Schließen, wie auch Leben und Tod aller Geschöpfe. Um zu verstehen, wie entscheidend diese Formel ist, muß man beobachten, welchen Stellenwert sie im Leben des gewöhnlichen Muslim einnimmt, der diese Worte in jeder Krise und in jedem Augenblick ausspricht, wenn die Welt ihn zu überwältigen droht, wie auch der Tod naht.

Man könnte sagen, daß der zweite Teil der Shahadah >>Muhammad rasulullah<< die erste auf die Erde herabbringt, und die zweite zu leugnen würde bedeuten, daß man alle Verbindung mit der ersten durchtrennt. Der Prophet ist per definitionem nahe bei Gott, da er Sein Gesandter ist, und >>der Prophet steht den Gläubigen näher als sie sich selber.<< (Sure 33, Vers 6). Er ist deshalb der Verbindungsglied zwischen Schöpfer und Geschöpf. Der Name Muhammad bedeutet >>Der Vielgepriesene<<, und da er ein Mensch und nicht mehr als ein Mensch ist, weist dies auf die Vollkommenheit und Herrlichkeit der Schöpfung hin,  wenn sie der Absicht ihres Schöpfers treu bleibt. Er verkörpert die menschliche Norm und ist deshalb das Vorbild für jeden Muslim. Ohne dieses Vorbild wüßten wir nicht, wie wir uns in unserer Person und in unserem Leben der Warheit entsprechend verhalten könnten, die in der ersten Schahadah ausgesagt wird.

Charles Legai Eaton aus seinem Werk >>Der Islam und die Bestimmung des Menschen<<

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6 Responses to Die Shahadah (Glaubensbekenntnis)

  1. Salaam, sehr schön von Charles Legai Eaton erklärt. Das Wissen über die Schahada ist sehr wichtig. Toller Artikel, maschaAllah.

  2. Cialis says:

    l5YY1a Excellent article, I will take note. Many thanks for the story!

  3. Devrow1909 says:

    Salam Aleykum lieber Bruder,
    wenn wir der Sunna unseres Propheten sav. folgen sollen, heisst es doch wir sollen im folgen und wie er den Glauben ausgelebt hat nachahmen? Doch im Qur´an spricht unser Prophet sav. nur die erste Shahada?! Logischer weise müsste man diesem Glaubentsbekenntnis folgen?! Und nie hängt er seinen eigenen Namen an?
    Z.B. Sure 6 Vers 19

    19. Sag: Welches ist das größte Zeugnis? Sag: Allah (, Er) ist Zeuge zwischen mir und
    euch. Und dieser Qur’an ist mir eingegeben worden, damit ich euch und (jeden),
    den er erreicht, mit ihm warne. Wollt ihr denn wahrlich bezeugen, daß es neben
    Allah andere Götter gibt? Sag: Ich bezeuge (es) nicht. Sag: Er ist nur ein Einziger
    Gott, und ich sage mich von dem los, was ihr (Ihm) beigesellt.

    Was hat das nun zu bedeuten ihm nichts bei zugesellen? Also nichts zweites oder mehrere neben Allah swt. oder? Salam Aleykum hoffe ich kriege eine Antwort darauf denn ich bin echt im zweifel zur Zeit und möchte keine Fehler begehen, obwohl Allah swt. mir einen Verstand gegeben hat und Shirk betreiben!!! Danke im voraus Devrow1909 :-)

  4. Baycan Yanar says:

    selamu aleikum lieber bruder, Danke für dein Kommentar. gerne werde ich darauf Antworten.

    Die Bezeugung des Propheten ist nichts anderes, ihn als den Siegel des Propheten anzuerkennen. Wer ihn als Siegel anerkennt, erkennt somit auch alle anderen Propheten. Man sollte bevor man einen Vers zitiert schauen, wie es damals im Kontext verstanden wurde. Denn nur wenn wir dies unter die Lupe nehmen, können wir mit den Versen und ihre Bedeutungen was anfangen. Es ist deshalb ausschlaggebend, weil diese Generation die ersten Adressaten des Korans waren. “”Dennoch wird es immer nötig sein, den Koran und die authentische Prophetentradition vor dem Hintergrund des Kontextes, in dem sie entstanden sind zu analysieren und zu interpretieren. Die Botschaft des Islam hätte also keinerlei Wirkung gehabt, wenn sie die Menschen, die sie zuerst empfingen, nicht hätten verstehen können. Und auch sie müssen diese Botschaft in ihrem sozialen und politischen Kontext verstanden haben”” (Nasr Hamid Abu Zaid – Gottes Menschenwort S. 89).

    Der älteste Koranexeget Muqaatil bin Süleyman (gest. 767 n.Chr.) überliefert uns in seinem Werk “Tefsir-i Kebir” folgenden Kontext: “Die Leugner unter den Götzendienern fragten, wer denn bezeugen könne, dass der, der dich als Prophet erwählt und geschickt hat wirklich Allah ist? daraufhin wurde der Vers 19 der Sure 6 offenbart: “Sage: “Wessen Zeugnis ist das allerhöchste?” Sprich: “Gott ist der Zeuge, der über den Streit zwischen euch und mir die Wahrheit aussagt” (Tefsir-i Kebir 1, S. 534-535).

    hier spielt der Kontext eine große Rolle und wenn du dies berücksichtigst, findest du einen anderen Analogieschluss als den, was du schlussfolgerst. Allahu aleem.

    “Muhammad ist der Gesandte Allahs” 48:29

  5. Devrow1909 says:

    Salam aleykum lieber Bruder,
    subhanallah das es noch Brüder gibt die es mir ohne Hadithe erklären können. Das gibt Sinn was du schreibst, denn so habe ich das auf den ersten Blick natürlich nicht verstanden!! Ich bin zur zeit so verwirrt, da ich auch auf seiten gelandet bin die der meinung sind die Shahada der Sunniten sei Shirk, da man Allah swt. jemandem beigesellen würde. Und ettehiyattu und salavat im gebet wäre auch nicht richtig!!! Kannst du mir erklären warum man das im Gebet einführen sollte und ob man sein Gebet auch ohne diese verrichten kann?! Aber ich werde insallah mein Wissen mehren und mich gründlich informieren!!! Denn das Gebet ist mir sehr wichtig und ich möchte keine Fehler machen und insallah einer der Erfolgreichen sein.
    Salam aleykum lieber Bruder Devrow1909:-)

  6. Baycan Yanar says:

    Selamu aleikum lieber bruder freut mich sehr dass du mit meiner Antwort etwas anfangen konntest :) . Ja es gibt eine Gruppe die de zweite Shahada als schirk bezeichnen was jedoch nur eine Minderheit darstellt. Diese sind kein unterschied zu denen, die den Koran radikal auslegen. Sie reißen den Koran aus ihrem Kontext. In diesem Artikel wurde das von Chrales le gai eaton sehr schön formuliert. Was ettahiyatu anbelangt, achlage ich vor folgenden Artikel zu lesen: http://tavhid.de/?p=328

    selam ;)

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