Welches Fleisch ist rituell erlaubt?

In Sure 5 Vers 3 heißt es: >>Verboten ist euch (als Nahrung) das Fleisch von verendeten Tieren, Blut, Schweinefleisch und das (Fleisch von Tieren die) im Namen eines anderen als Gott geopfert wurden…<<
Zu behaupten, man dürfe kein von Christen und Juden geschlachtetes Fleisch verzehren, weil die Schriftbesitzer der heutigen Zeit nicht im Namen Gottes opfern.

Diese Einstellung hat sich in den letzten Jahren besonders unter den im Westen lebenden Muslimen verbreitet, weil man bestrebt war, über die Vermarktung von sogenannten >>rituell zulässigen Lebensmitteln<< einen Wirtschaftssektor zu etablieren, und die Religion dazu benutzt hat, für diesen Sektor effektiv Werbung zu machen. Die Angelegenheit verhält sich aber ganz eindeutig so: Der Koran hat den Muslimen die Speisen der Schriftbesitzer erlaubt.  In Sure 5 Vers 5 heißt es: >> Heute sind euch alle guten Dinge erlaubt. Auch die Speise derer,  denen die Schrift gegeben wurde, ist euch erlaubt, so wie eure Speisen ihnen erlaubt sind.<<

Ganz genau verhält es sich, wenn wir darauf schauen, wie sich der Prophet des Islams verhalten hat. Der Prophet Muhammad ist während seines ganzen Lebens Einladungen von Juden und Christen gefolgt, hat von ihnen geschlachtetes Fleisch gegessen und hat seinen Weggefährten den Verzehr dieses Fleisches gestattet. Nach einheitlicher Auffassung darf man Fleisch verzehren, das von weiblichen oder männlichen Angehörigen der schriftbesitzenden Religionen geschlachtet worden ist (vgl. Halid Aburrahman, el-Fikhu’l-Maliki, 3/235, 240-241). Und Hasan el Basri (gestorben 728 n. Chr.) vgl. el-Fikhu’l Hasan el-Basri 1/414-416

Siehe auch hierzu: Dem Vater der irakischen Schule islamischer Rechtsexegeten  Ibrahim en-Nehai (gest. 714 n.Chr.) und Lehrmeister Abu Hanifas in “el-Fikhu’n Nehai 1/478-479″

Beim Verzehr von Fleisch, das Angehörige der schriftbesitzenden Religionen geschlachtet haben, ist es nicht Voraussetzung, daß diese vor dem Schlachten die Bismillah-Formel (im namen Gottes) gesprochen und gedacht werden muss. Es ist ausdrücklich nur das verboten, worüber sie einen anderen Namen als den Gottes anrufen. Die rituelle Zulässigkeit kommt allein dadurch zustande, daß sie zu den Schriftbesitzern gehören, also Juden und Christen sind (vgl. Ibn Hemmam, 6/117-121). Natürlich gilt diese Zulässigkeit nur bei Fleisch, dessen Verzehr erlaubt ist. Schweinefleisch fällt z.B. unter keinen Umständen in die Kategorie des Erlaubten. (vgl. Sure 5 Vers 3)

Obwohl die Christen im Namen Jesus schächteten und die Juden den Namen Uzayr dabei erwähnten, ist es dennoch nicht verboten (haram) gewesen. Der Vers 5:5 was wir oben aufgeführt haben stellt in dieser Angelegenheit die Ausnahme. Ibn Ata (gest. 732) äußerte sich zum Thema wie folgt: “Auch wenn die Christen im Namen Messias schächten, ist es erlaubt deren Fleisch zu verzehren. Gott hat den Vers 5:5 geoffenbart, obwohl Er weiss dass sie diese Namen aussprechen. Es wird auch überliefert, dass einige Zeitgenossen des Propheten die Meinung vertraten wie z.B. Abu’d-Derda & Ubada b. es-samit (Kurtubi gest. 1273 n.Chr. in “el-Camiu li-Ahkami’l-Kur’an” B. 6, S. 77-78.)

Es gibt jedoch Unstimmigkeiten darüber, um welche Christen es sich handelt. Hierzu wollen wir den zeitgenösschen Koran Kommentatoren Prof. Dr. Süleyman Ates und sein 30 bändiges Koranenzyklopädie bevorziehen: “Dieses Streitgespräch um welche Christen es sich handelt macht weder einen Sinn, noch hat es eine Bedeutung. Der Koran hat sich in einer Zeit offenbart, wo all die Gruppierungen im Christentum schon existierten. Ob es sich um die Trinität handelt oder jene, die aus der Schrift einige Stellen leugneten. Der Koran hat ohne zu differenzieren diese als “Volk der Schrift bezeichnet”. Der Koran nennt die Anhänger der Trinität zwar als “Wahrheitsleugner”, doch stellt er sie nicht mit den Polytheisten gleich. Daher wäre es unangebracht, diese voneinander nicht zu unterscheiden (Kur’an Ansiklopedisi B. 11, S. 538-39.)

Für den Gründer der dritten Rechtsschule Imam Schafi ist es auch für Muslime keine Pflicht die Formel “im Namen Gottes” beim schlachten auszusprechen, sondern nur worüber ein anderer Name als den Gottes angerufen wurde (Ibn Kathir Band 4 S. 6.)

Hierzu möchte ich den Rechtsgelehrten Scheikh Dr. Jusuf al-Qaradawi zu Wort kommen lassen:

“Der Anwendungsbereich des Satzes >>die Speise derer, denen vor euch die Schrift gegeben wurde<< ist allgemein und schließt Fleisch, Erzeugnisse und andere Nahrungsmittel ein. Dies alles ist halal für uns, mit der Ausnahme dessen, was an sich haram ist, wie z.B. das Fleisch eines krepierten Tieres, Schweinefleisch, flüssiges Blut, denn diese sind grundsätzlich verboten, gleich ob sie von einem Christen, Juden oder Muslim kommen”. (in seinem Buch >>Erlaubtes und Verbotenes im Islam<< S. 58)

Davon Ausgehend sind die Rechtsgelehrten übereinstimmend zu folgender Aussage gelangt: Fleisch von Tieren, die von Schriftbesitzern geschlachtet worden sind, ist rituell erlaubt und kann verzehrt werden (vgl. Ibn Hemmam, 4/485-488).

Zu behaupten, die Betäubung von Tieren vor dem Schlachten sei unislamisch:

Eine abergläubische Vorstellung, die den Leuten immer wieder aufgedrängt worden ist, besagt, daß Schächtungen unter vorhergehender Anwendung von Elektroschocks religiös illegitim seien. Seit Jahren ist bei diesem Thema gelogen worden. Angeblich fließe beim Schächten zuvor betäubter Tiere kein Blut, die so getöteten Tiere ersticken. Bei Tieren, die auf solche Weise geschächtet werden, fließt sogar sehr viel mehr Blut aus dem Körper als bei Tieren, die auf herkömmliche Weise geschächtet werden. Dies hat auch einen Einfluß darauf, daß ihr Fleisch gesünder und schmackhafter ist. Auch unter religiösen Gesichtspunkten betrachtet ist die Methode der Schächtung nach Elektroschock jene, die am ehesten den Geboten und Erwartungen des Islams und unseres Propheten entspricht. Denn die Schmerzempfindungen des Tieres werden auf diesem Wege so gut wie vollständig ausgeschaltet. Auch unser Prophet hat geboten, daß die Tiere auf die schmerzloseste Weise geschlachtet werden sollen. Einem Bolzenstoß trifft dies ebenfalls zu. Solange das Tier dadurch nicht getötet wurde, ist dieses erlaubt. >Verboten hat Er euch Totes Fleisch, Blut, Schweinefleisch und das, worüber ein anderer als Gott angerufen worden ist.< 16:115



Sure 5, Vers 87 >> O ihr, die ihr glaubt! Verbietet nicht die guten Dinge, die Gott euch erlaubt, aber übertretet auch nicht. Siehe, Gott liebt nicht die Übertreter.<<

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8 Responses to Welches Fleisch ist rituell erlaubt?

  1. Yousuf says:

    Salam,

    das Problem liegt doch in dreierlei:
    1) die Tiere werden mit der “Bolzen-Schuß-Methode” betäubt, bevor sie geschlachtet werden. Hierbei wird ein Metallbolzen in das Gehirn des Tieres mit Druck geschossen. Dabei ist jedoch in seltenen Fällen bereits möglich, dass das Tier stirbt (Im Ergebnis also ein verendetes Tier oder erschlagenes Tier! Nach Quran als haram eingestuft.)
    2) Zum anderen werden Schlachter in Deutschland nicht nach ihrer Religionszugehörigkeit eingestellt, so dass z.B. ein Atheist das Tier geschlachtet haben könnte.
    3) Ein Beispiel aus der Wurstproduktion: Aufgrund der BSE-Angst werden in den Anlagen von Montag bis Mittwoch zuerst die Schweinewürste hergestellt und der Rest der Woche Rindswürste. Erst am Wochenende werden die Anlagen richtig gesäubert, damit am nächsten Montag keine evtl. kontaminierten Rindsbestandteile in die Schweinewurst gelangen können. Damit ist eine kontaminierung mit Schweinefleisch in die Rindswurst nicht ausgeschlossen.
    Und Allah weiß es besser!

  2. Baycan Yanar says:

    aleikum selam Bruder Yousuf

    Das Problem Nr.1 dass du darstellst is falsch. weil eine betäubung weniger schmerzen verursacht und somit dem Islam mehr entspricht. Früher gab es keine betäubungsmittel und die schmerzlindernste Schlachtung mit einem bloßem Messer ist der direkte Schnitt in die Keele bzw. Hauptschlagader. als erschlagen zählt das definitiv nicht weil dadurch die Betäubung verursacht wird und das Tier wird ohne Schmerzen geschlachtet was mit dem islamischen Prinzip eher vereinbar ist.

    Nr.2, Wer Atheist ist und wer nicht, das Urteil liegt allein bei Gott. Der Prophet nannte das land Abbessinien “christlich”, obwohl dort nicht alle unbedingt den christlichen Glauben hatten. Da du nicht weißt, ob der Schächter Atheist oder Christ ist, geht man in einem “christlichen” Kontinet davon aus, dass diese zu den Christen gehören. Auch wenn jemand nicht die Religion befolgt sondern nur an Gott glaubt steht es niemandem zu ihn als einen Atheist zu bezeichnen. Du kannst auch garnicht wissen, ob ein türkischer Atheist hinter dem Schlachten steht. gibt genau soviele türkische Atheisten das weißt du nicht.

    Nr.3, mit der Säuberung der Wursttheke oder Maschine ist falsch denn ich arbeitete selbst als Metzger bei Real. Ich weiss wie das gemacht wird.

    Und zu dir @arkasi; das eine hat mit dem anderen nichts zu tun, du musst der Moschee kein Beitrag leisten das liegt allein bei dir. Ist jedem selbstüberlassen aber es ist auch nicht zu bestreiten, dass auch einige MUSLIMISCHE Kulturvereine leute dazu benutzen, geld einzusacken. Kenne sogar einige, deren Namen ich jetzt nicht erwähnen werde und diese stehen jetzt vor Gericht.

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  4. Devrow1909 says:

    Selam lieber Bruder,
    zwecks dem Verbot des verzehren des Schweinefleisches!!! Wie sieht es aus mit Gelatine vom Schwein ist es auch verboten? Denn in einer Seite namens al rahman gibt es welche die das für nicht bindend sehen, da ja nur das Fleisch laut Koran erwähnt wird?! Doch frage ich mich ob sie das gleiche sagen würden oder mit ihrem logischen Gedanken einfach so hinnehmen würden bei Menschenfleisch? Ob da dann die Gelatine auch in Ordnung geht?! P.s. wird im Koran überhaupt erwähnt das Menschenfleisch verboten ist? Steht ja nicht wörtlich drin, oder? Selam aleykum devrow1909:-)

  5. Baycan Yanar says:

    Selam. Die Stelle mit Schweinefleisch ist im Artikel auch erwähnt: . “”Natürlich gilt diese Zulässigkeit nur bei Fleisch, dessen Verzehr erlaubt ist. Schweinefleisch fällt z.B. unter keinen Umständen in die Kategorie des Erlaubten. (vgl. Sure 5 Vers 3)”"

    Bei der Gelatine Herstellung ist der selbe Verbrennungsprozess wie die von Essig. Essig kann nur mit Alkohol hergestellt werden. Am Ende enthält Essig genau so wenig Alkohol, wie die Spuren von Schwein in Gelatine. Wichtig ist nicht, wie etwas hergestellt wird, sondern was letzten Endes im Magen landet ;)

    Slm

  6. Eddy says:

    Hallo Devrow!

    49:12:Ihr Gläubigen! Laßt euch nicht so viel auf Mutmaßungen ein! Mutmaßungen anstellen ist manchmal Sünde. Und spioniert nicht und sprecht nicht hintenherum schlecht voneinander (wa-laa yaghtab ba`dukum ba`dan)! Möchte (wohl) einer von euch (wie ein Aasgeier) das Fleisch seines toten Bruders verzehren? Das wäre euch doch zuwider (fa-karihtumuuhu). Fürchtet Allah! Er ist gnädig (tauwaab) und barmherzig.

    LG Eddy

  7. Devrow1909 says:

    Selam lieber Bruder Eddy,
    danke für den Koran Vers jetzt weis ich mehr!!! :-) Aber das bekräftigt doch nur meine Frage zu Gelatine, da auch in diesem Vers nur das Fleisch erwähnt wird?! Ich hoffe ihr Versteht mich? Ich möchte nur bewusst keine Fehler begehen und mich genau informieren, denn wie Allah swt. sagt: Gib denn die frohe Botschaft Meinen Dienern; (17) es sind jene, die auf das Wort hören und dem besten von ihm folgen. Sie sind es, denen Allah den Weg gewiesen hat, und sie sind es, die Verstand besitzen.(18) Sura 39 Vers 18.
    Das möchte ich auch machen und deshalb frage ich mich ob man das einfach so gewissenhaft hinnehmen kann z.B. Haribo mit Schweine Gelatine Essen auch wenn im Koran nur das Fleisch erwähnt wird, denn in dem Vers was du erwähnst Bruder Eddy steht auch nur das Fleisch und nicht Fett oder Knochen, kann man da dann gewissenhaft sagen Gelatine geht in Ordnung? Ich möchte einfach nur sicher gehen, denn Allah verspricht uns den geraden und sicheren Weg in dieser Religion und das möchte ich auch zu Herzen nehmen und auch darauf vetrauen! Ich hoffe ihr könnt mir da weiter helfen! Insallah bis bald Selam Aleykum liebe Geschwister devrow1909 :-)

  8. Baycan Yanar says:

    Selam lieber Bruder. Zunächst einmal muss der Begriff “schweine Gelatine” korrigiert werden. Da nach dem Verbrennungsprozess bei det Herstellung von Gelatine 0% schwein enthalten ist, heisst es nur “Gelatine”. Das Verbot von Menschenfleisch muss nicht im Koran stehen da es kannibalismus wäre, diese ist eindeutig verboten. Da der Koran ersteinmal sich an die damaligen Volker in einer bestimmten Geographie angesprochen hat, hat er doe Probleme der damaligen Zeit behandelt. Da aber niemand den Gedanken hatte, Menschenfleich zu verzehren, hat der Koran diese nicht speziell angesprochen. Doch haben wir im Beispiel von Eddy gegebenen Vers einen Hinweis diesbezüglich, was im Zusammenhang in einem anderen Kontext angesprochen wird.

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