Ist die Bestrafung im Jenseits auf ewig?

Als erstes muss man erwähnen, eine ewig andauernde Hölle die die Manifestation des heftigen Zorns Gottes ist, paßt nicht zu der Universalität, die der Koran schildert . Denn der Koran sagt hierzu ganz deutlich, daß die Gnade Gottes Seinen Zorn übertrifft und daß Seine Gnade alle Dinge einschließt. Einen vergebenden und gütigen Gott mit nicht endenden Qualen, die als Mittel seiner Rache dienen, in Verbindung zu bringen, kann der Koran nicht akzeptieren. Die Hölle drückt aus, daß die Menschen die in diesem Leben gewährten Möglichkeiten verlieren und daß sie nach dem urewigen Gesetz den Gegenwert ihrer Taten erhalten und durch diese Gelegenheit zur Genesung von seelischen Krankheiten gelangen, die sie sich selbst zugefügt haben. Deswegen sieht der Koran einen Unterschied zwischen Paradies und Hölle und erklärt, daß das Paradies unbegrenzt ist und die Hölle hingegen ein Ende finden wird.

Der Koran zeigt deutlich, daß die Bestrafung eine Art Therapie darstellt. In Sure 6, Vers 42 heißt es: >Und Wir haben vor dir so vielen Völkern Gesandte geschickt und diese Völker mit Not und Leid heimgesucht, auf daß sie sich vielleicht demütig zeigen und auf den rechten Weg kommen.<

Daraus verstehen wir, dass der Zweck der Bestrafung ist, auf den rechten Weg zu gelangen, zu erwachen und ein höher entwickeltes Leben zu erreichen. Das ist das Ziel der Bestrafung in der Hölle. Der Koran legt auf die Gnade Gottes den allergrößten Wert und er sagt, daß alle Geschöpfe dazu erschaffen sind, die göttliche Gnade zu erlangen. Der Koran sagt auch, daß die Hölle mit all ihrer Kraft und Gewalt für die Sünder ein Freund (Sure 57, Vers 15) und eine Mutter (Sure 101, Vers 9) darstellt. Darunter wird verstanden, daß die Hölle für die Aufrührer und die Sünder reinigend ist. So wie daß Feuer das Gold reinigt, so wird das Höllenfeuer nach dem Tod die Seelen vom Schmutz, Dreck und Rost reinigen. Daher ist die Hölle ein Freund der Aufrührer und der Sünder. Da diese Sündigen im Schoße der Hölle von neuem reifen und wachsen werden, stellt die Hölle deren Mutter dar. Die Sündigen werden aus der Hölle gerettet werden. Zwar spricht der Koran an drei Stellen von einem ewigen Aufenthalt, doch in diesen Fällen drückt  >>Ewigkeit<< nur einen langen Zeitraum aus. In Sure 78 wird dieser Punkt erläutert: Die Sündigen werden ahkab, also lange Jahre in der Hölle verweilen. Wenn später die Rede davon ist, wie lange man in der Hölle bleibt, wird ahkab näher erläutert (vergleiche hierzu Vers 23). An anderer Stelle wird dieser Punkt erneut erläutert, indem gesagt wird: “Solange Gott es will“. Im Koran wird hierzu folgendes ausgeführt: >Die Unglücklichen werden dann im Feuer sein.  Darin werden sie seufzen und stöhnen. Sie werden darin ewig weilen, solange die Himmel und die Erde währen, außer wenn es dein Herr will. Dein Herr tut, was Er will< (Sure 11, Verse 106-107).

Diese Verse zeigen, daß die Höllenqualen nicht immer und ewig andauern. Vergleichen wir diesen letzten Vers mit den darauffolgenden, so wird diese Tatsache noch deutlicher: >Die Glückseligen werden im Paradies verweilen. Darin werden sie ewig weilen, solange die Himmel und die Erde währen. Dies ist eine unaufhörliche Gnade deines Herrn< (Sure 11, Vers 108).

In jedem der beiden Verse wird im letzten Teil eine Ausnahme hinzugefügt. Was das Paradies betrifft, wird gesagt, daß dessen Fortdauer eine unaufhörliche Gnade sei.  Und was die Hölle betrifft, so wird ganz zum Schluss ausgesagt: >denn dein Herr tut was Er will.<

Der Islamwissenschaftler der Uni Münster Prof. Dr. Mouhanad Khorchide bestätigt diese These in seinem viel beachtenden Buch “Islam ist Barmherzigkeit S. 56-60; Herder Verlag“. Zudem zitiert Er einen der bekanntesten Gelehrten der islamischen Tradition Ibn-Qayyim al-Jawziyya (gest. 1350), dass dieser die gleiche Auffassung über die Hölle vertrat (Ibn-Qayyim al-Jawziyya, Hadi al-arwah, kairo o.J., S. 240 ff).

Es ist nicht Vereinbar mit der Barmherzigkeit Gottes, zu behaupten, dass die Höllenqualen unendlich seien.

 

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5 Responses to Ist die Bestrafung im Jenseits auf ewig?

  1. Eddy says:

    Das ist ein hervorragender Artikel !!!!!

  2. Eddy says:

    Slm

    SUPER ARTİKEL!!!!

    zum arabischen Begriff ”Mutter” schreibt Asad in seiner Anmerkung (Sure 101:9)”Wörtl. seine Mutter (d.h. sein Ziel) wird ein Abgrund sein” naemlich von Leiden und Verzweiflung. Der Begriff ”Mutter” (umm) wird idiomatisch gebraucht, um etwas zu bezeichnen das einschliesst oder umschliesst

    Hast Du noch eine andere İnterpretation zu ”Mutter”?

  3. Baycan Yanar says:

    selam.

    Dies ist nur eine Interpretation von Asad. arabischer Begriff “Ummuhu” heißt wörtlich Mutter. Alle Verse die sich zum Jenseits beziehen sind Müteschabih (allegorie) und beim vertiefen dieser Auslegungen kann man verschiedene Deutungen hervorbringen, jedoch die Botschaft nicht verdrehen. Die Kommentierung von Asad ist interessant, jedoch hat ein Begriff dass von Gott verwendet wird immer einen Grund. Wenn Er irgendwo “Ummuhu” (Mutter) verwendet, oder woanders “Din” (Religion). Asads Auslegungen kann ich nicht öfters teilen. Denn seine Interpretation schlagen meistens fehl. Dass er z.B. den begriff “Din” als “Moralgesetz” übersetzt wie in sure 109 ist definitiv Falsch. Solch eine Übersetzung verliert die Botschaft die die Sure uns mitteilen möchte. Yasar Nuri Öztürk kritisiert ihn in seinem Buch “Maun Süresi” äußerst hart.

    wslm.

  4. Schnuffel says:

    Ich gebe spaet ein Kommentar…
    Heisst das, dass auch Unglaeubige, wenn sie rein sind, und Christen/Juden/etc. Ins Paradies kommen werden?
    Den Artikel zu Christen und so habe ich schon gelesen. Aber das bezieht sich jetzt auf Unglaeubige. Kommen sie auch irgendwann ins Paradies? Zumindest nach diesem Artikel? Oder gilt das nur fuer Glaeubige?

  5. Baycan Yanar says:

    selam und danke für dein Kommentar. Laut dieser Interpretation bezieht sich das auf alle Menschen. Wir sollten Gottes Barmherzigkeit nicht unterschätzen. Hierüber können wir kein Punkt setzen, mit dem Artikel möcte ich bezwecken, dass wir solche Angelegenheiten Gott überlassen sollen und wir damit vorsichtig umgehen sollen. Diese Art der Auslegung bzw. der Hermeneutik lässt die Tür für solch ein Verständnis offen. Allahu Aleem.

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