Die Polygamie (Mehrehe im Islam)

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Der Vers dazu lautet:

>>Und falls ihr befürchtet, dass ihr ihre Rechte nicht in angemessener Weise wahren könnt, wenn ihr die Waisenmädchen (in eurer Obhut) heiratet, dann heiratet andere Frauen (die euch zur Ehe erlaubt sind), so wie sie euch gut erscheinen, zwei, drei oder vier. Doch wenn ihr (hinsichtlich eurer ehelichen Pflichten) befürchtet, sie nicht (alle) gleich behandeln zu können, dann gebt euch mit nur einer zufrieden, oder mit euren Gefangenen, die eure Rechte besitzt. Dies kommt dem am nächsten, dass ihr kein Unrecht begeht.<< Sure 4 Vers 3

Dies darf natürlich nicht dahingehend missverstanden werden, dass der Koran die Gläubigen zur Mehrehe ermutigt oder dass die Polygamie als ein Idealzustand anzusehen ist. Mit anderen Worten, der Koran toleriert die Mehrehe oder gestattet sie, mehr aber auch nicht. Doch aus welchem Grund erklärt er die Polygamie für Legitim? Bei Starkem Männermangel, wie nach großen Kriegen, kann es vor allem für Frauen ein Segen sein, dass dieser unabänderliche und weise Vers versorgungsbedürftigen Frauen, vor allem Kriegerwitwen mit Kindern, den Weg zur Zweitehe offenläßt und vaterlose Haushalte verringern will. >>Ali Ünal, Der Koran und seine Übersetzung, Fontäne-Verlag<<

Der Koran hatte die Ehe mit bis zu vier Frauen unter anderem an die Bedingung der Gleichbehandlung geknüpft: >>Doch wenn ihr fürchtet, ihnen nicht gerecht werden zu können, heiratet nur eine [...]<<; fast im gleichen Atemzug hatte Gott den potentiellen, mit einer polygamen Ehe liebäugelnden Männern versichert, dass diese Bedingung für sie unerfüllbar ist in Sure 4 Vers 129: >>Euch wird es niemals möglich sein, in Gerechtigkeit gegen eure Ehefrauen zu verfahren, wie sehr ihr es euch auch wünschen möchtet.<<

Kann es eine deutlichere und gewichtigere Misstrauensbekundung gegen Mehrehen geben? >>Murad W. Hofmann, Der Islam im 3. Jahrtausend.<<

“Reformistische Islamisten glauben, dass es möglich ist, sich zu modernisieren und zugleich muslim zu bleiben. Bedauerlicherweise aber müssen wir sehen, dass dieser Glaube nicht auf einer ernsthaften Auseinandersetzung mit dem Koran und den Fakten beruht. So ist der Koran diesem Diskurs zufolge gegen Polygamie: Aus betreffenden Koranstellen könne man keine Zustimmung zum Heiraten von mehr als einer Frau herauslesen. Eine solche Auslegungsentwicklung wiederspricht den historischen Fakten. Mit einem derartigen Ansatz kann man den Koran alles Mögliche sagen lassen.” (Prof. Dr. Ömer Özsoy – [Erneuerungsprobleme zeitgenössischer Muslime und der Koran] übersetzt von Felix Körner >Alter Text – neuer Kontext; Koranhermeneutik in der Türkei heute< S. 21-23; Herder Verlag

Zu bedenken ist aber auch, dass der Koranvers unmittelbar nach der Schlacht von Uhud offenbart wurde. In diesem Krieg starben 70 muslimische Männer im Gefecht mit den Mekkanern, die größtenteils Kinder und Frauen hinterließen (Maududi, Tefhimul Kuran, Bd. 1, S. 321).

Es gibt Überlieferungen, die ein Verbot der Mehrehe ausdrücken. Erinnern wir uns zum Beispiel, was geschah, als Ali, der Ehemann von Mohammeds Tochter Fatima, eine zweite Frau heiraten wollte. Laut dem Koran war es ja erlaubt, aber Mohammed verweigerte Ali seine Zustimmung. Als Vater hat Mohammed nicht zugestimmt, weil er annehmen musste, dass eine zweite Ehefrau an Alis Seite für seine Tochter leid bedeuten würde [Bukhari 5230 & ibn Mace, Nikah, 56]. Deren historischer Kontext ist jedoch unklar, weshalb der Prophet diese Ehe verweigert haben soll. Die anderen engen Gefährten des Propheten waren jedoch mit mehr als einer Frau verheiratet gewesen. Laut Bukhari wollte Ali ibn Abu Talib die Tochter von Abu Jahil (Einer der größten Feinde des Propheten) heiraten. Dies veranlasste dem Propheten es ihm zu verbieten, in dem er sagte, dass die Tochter des Gesandten und die Tochter des Gottesfeindes nicht gleichzeitig im Ehebund eines Mannes stehen können. Der Gesandte verbot Ali also laut dem Kontext nicht die Mehrehe, sondern die Ehe mit einer bestimmten Frau (Siehe Buhari, “Fezailu ashabi’n-nebi” 16: “Nikah” 109).

(Dass Ali ibn Abu Talib die Tochter von Abu Jahil heiraten wollte lehnen wir jedoch strikt ab. Weshalb soll gerade Ali, die Tochter von Abu Jahil heiraten wollen? Welche Propaganda liegt hinter dieser Erfundenen Überlieferung?)

Der Prophet hat davor gewarnt, daß diese Voraussetzung der Gleichbehandlung nicht zu erfüllen ist: “Wer zwei Frauen zu sich nahm, eine aber von den beiden bevorzugt hat, erscheint am Tag der Auferstehung in zwei Spalten, die eine davon zum Boden fallend”. Wer also seine Ehefrauen nicht gleich behandelt, wird für diese Sünde hart bestraft werden. >>Prof. Dr. Mahmoud Zakzouk, Fragen zum Thema Islam<<

Dennoch mag man fragen, warum den Frauen nicht der gleiche Spielraum eingeräumt worden ist. Doch die Antwort ist einfach. Ungeachtet des spirituellen Faktors der Liebe, welcher die Beziehung zwischen Mann und Frau beeinflusst, ist der bestimmende biologische Grund für den Geschlechtstrieb bei den Geschlechtern die Fortpflanzung. Und während eine Frau zu einer bestimmten Zeit ein Kind nur von einem einzigen Mann empfangen kann und es neun Monate lang austragen muss, bevor sie ein weiteres empfangen kann, kann ein Mann jedesmal ein Kind Zeugen, wenn er mit einer Frau verkehrt. Während die Natur also nur verschwenderisch gewesen wäre, wenn sie die Frau mit einer polygamen Veranlagung ausgestattet hätte, ist die polygame Neigung des Mannes biologisch gerechtfertigt. Es ist offensichtlich, dass der biologische Faktor nur ein und keineswegs immer der wichtigste Gesichtspunkt der ehelichen Liebe ist. Nichtsdestoweniger ist er ein grundlegender Faktor und deshalb entscheidend in der Institution der Ehe als solcher. Mit der Weisheit, welche die menschliche Natur immer gänzlich berücksichtigt, garantiert das Islamische Recht nichts anderes als den Schutz der soziobiologischen Funktion der Ehe (die auch die Sorge für die Nachkommenschaft einschliesst), indem es einem Mann erlaubt, mehr als eine Ehefrau zu haben, und einer Frau nicht erlaubt, gleichzeitig mehr als einen Ehemann zu haben. >>Muhammad Asad, Die Botschaft des Koran<<

Das beste Beispiel ist der Prophet des Islams. Alle außer eine (Aischa) waren verwitwete bzw. versorgungsbedürftige Frauen gewesen.

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