Der Koran und die Schriftbesitzer

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Stellungnahme zu den Darstellungen der islamischen Glaubenslehre in der Ausgabe in ,, Mut Nr. 478 Juni 2007“

1. Die Ausgabe behauptet : ,, die antijüdische und antichristliche Polemik des ( Koran )
Textes zu erklären, die ein stillistisches Leitmotiv der 114 Suren bildet “.

Hierzu werden einige Verse aus dem Koran zitiert,wie Z.B. ,, Sure 2 Vers 107 “ um die Behauptung mit Beweisen  direkt aus dem Koran zu legitimieren, dass die Heilige Schrift feindlich gegenüber den Juden und Christen gestimmt sei. Jedoch fällt hierbei auf, dass der Kontext in diesem Fall nicht mit berücksichtigt wird. Muslimische Gelehrten deuteten schon seit der Frühzeit darauf hin, dass die Heilige Schrift nur dann richtig zu verstehen sei, wenn der Gesamte Kontext im Zusammenhang gelesen wird. Lassen Sie uns die Gleiche Herangehensweise einmal an die Bibel anwenden, um zu sehen, ob die Bibel besser abschneiden wird als der Koran. Hier nur ein Beispiel: In der Offenbarung liest man ,, Siehe, ich ( Jesus ) werde schicken einige aus der Synagoge des Satans, die sagen, sie seien Juden..“. Tatsächlich könnte man von der oben zitierten Bibelstelle davon ausgehen, Jesus ( a ) würde das Jüdische Gotteshaus, die Synagoge mit dem Teufel schlecht hin identifizieren. Wer mit der Geschichte vertraut ist, weiß, dass die Verleumdung der Synagoge nicht zu verallgemeinern ist. 1.Offenbarung Kapitel 13 Abschnitt 9.

Der Koran ist die einzige Heilige Schrift , die die Respektierung und Wertschätzung der anderen Weltreligionen samt ihrer Gotteshäuser explizit an mahnt.

In Vers 40. der Sure 22. heißt es ,, Und hätte Gott nicht die einen Menschen durch die anderen abgewehrt, wären viele Klöster, Kirchen, Synagogen und Moscheen, in denen Gottes Name häufig gedacht wird, bestimmt zerstört worden”. Hiermit wird eindeutig der religiöse Pluralismus durch das Gründungsdokument des Islam unterstrichen. So kann man getrost davon ausgehen, das das zitieren von Texten, besonders wenn es um Bücher geht, die von vielen Menschen einen Heiligen Status genießen nicht einfach so hingenommen werden kann, sondern stets die Zusammenhänge der Sätze mit einschließt, um den Inhalt richtig deuten und verstehen zu können.

2.    Die Ausgabe behauptet, in dem sie den Koran zitiert : ,, Oh Gläubige, nehmt euch nicht Juden und Christen zu Freunden, denn sie sind untereinander befreundet “. Koran Sure 5,  Vers 51.

Zunächst fällt wieder auf, dass der angegebene Vers nicht richtig Übersetzt ist, auch kommt hinzu, dass auch hier der Kontext nicht berücksichtigt wird. Hiermit soll der Eindruck erweckt werden, Muslime dürfen grundsätzlich keine Freundschaften mit Juden und Christen eingehen. Wie wir unten sehen werden wird dieser Vorwurf  vom Koran maßgeblich zurückgewiesen. Die gängige Übersetzung müsste folgendermaßen lauten:

,,O ihr, die ihr glaubt! Nehmt euch nicht die Juden und die Christen ( die den Muslimen gegenüber feindselig sind ) zu Beschützern und Vertrauten. Siehe hierzu “Der Koran und seine Übersetzung Ali Ünal Fontäne Verlag”.

In Vers 57. der selben Sure wird deutlich, um welche Juden und Christen es sich hierbei handelt, und weshalb die Einschübe im Text seine Berechtigung findet. Sie lautet: ,, O ihr , die ihr glaubt! Nehmt euch nicht jene zu Beschützern und Vertrauten, die vor euch das Buch erhalten haben ( Juden und Christen ) und die euren Glauben nehmen, um damit Spott und Spaß zu treiben”. Aus dem obigen Abschnitt werden jene Merkmale gekennzeichnet ( spotten und scherzen mit den religiösen Gefühlen )die nicht erlauben, eingehende Freundschaften zu schließen. Andersherum würden auch Christen kaum Freundschaften dulden, wo ihre Weltanschauung Gegenstand der Diffamierungen sind.

Die 60. Sure , Vers 8- 9 stellt unmissverständlich fest: “Gott verbietet euch nicht, zu denen, die keinen Krieg gegen euch führen
aufgrund eurer Religion noch euch aus euren Häusern vertreiben, freundlich zu sein und in Gerechtigkeit gegen sie zu handeln.
Gott liebt fürwahr die überaus Gerechten”.

“Gott verbietet euch nur, euch diejenigen, die Krieg gegen euch führen aufgrund eurer Religion und euch aus euren Häusern vertreiben oder andere dabei unterstützen, euch zu vertreiben, zu Freunden und Beschützern zu nehmen.Wer immer sie zu Freunden und Beschützern nimmt, das sind diejenigen, die Unrecht tun“. Es gibt somit grundsätzlich keine Einwände, Freundschaften mit Andersgläubigen zu schließen.

3.    Die Ausgabe behauptet: Noch zu Lebzeiten ließ Mohammed alle Juden der Stadt niedermetzeln, weil sie sich weigerten , Ihn als den Propheten Gottes anzuerkennen. Das ist eine große historische Unwahrheit über den Propheten des Islam, sie wird immer wieder seitens der christlichen und jüdischen Polemiker neu aufgelegt, um Muhammad (a ) als intolerant  und aggressiv erscheinen zu lassen. Hier möchten wir nun eine international anerkannte  religionswissenschaftlerin zu Wort kommen lassen. Karen Armstrong schreibt in ihrem viel beachteten Buch folgendes zum Thema: ,, die drei jüdischen Stämme der Qainuqa, Nadir und Quraiza waren entschlossen gewesen, Muhammad zu vernichten, und gingen ( im Verrat an die Muslime ) Bündnisse mit  den feindlichen Mekkanern ein. Das Massaker der Quraiza war ein schrecklicher Vorgang, doch darf man ihn nicht nach heutigen Maßstäben beurteilen. Die damalige Gesellschaft war sehr primitiv: Die Muslime waren soeben knapp der Ausrottung entgangen, und hätte Muhammad die Quraiza einfach nur vertrieben, hätten sie die jüdische Opposition in Chaibar verstärkt und die umma ( Gemeinschaft der Muslime ) mit einem weiteren Krieg bedroht . Der Zwist stand nicht mit einer besonderen Feindseligkeit gegen die Juden allgemein im Zusammenhang, sondern nur gegen die drei rebellischen Stämme. Der Koran verehrte weiterhin jüdische Propheten und mahnte die Muslime, die Leute der Schrift zu achten. Kleinere jüdische Gruppen lebten weiterhin in Medina, und später genossen Juden wie Christen in islamischen Reichen volle Religionsfreiheit. Antisemitismus ist eine christliche Untugend “. Karen Armstrong, Kleine Geschichte des Islam, S. 36-37

“Das jüdische Stamm Banu Quraiza wollten dass ihr Schicksal von Sad Ibn Mu’ad, dem Führer des Stammes der Al-Aws entschieden werden sollte. Mit diesem Stamm waren sie besonders verbündet gewesen. Sad wandte für ihren Fall das Gesetz aus dem Alten Testament an (Deuteronomium 20:13-14). Demententsprechend wurden die Männer der Banu Quraiza getötet”. Ibn Rassoul Tafsir. S. 961

Die Bestrafung von Hochverrat, vor allem im Krieg möglicherweise mit dem Tod, ist heute noch weltweit  Praxis und vertößt nicht gegen die Menschenrechte”. (Dies gilt auch für Verbündete Gruppen, die im Kriegszustand das Blatt wenden und somit Hochverrat begehen.) Murad  W. Hofmann, Der Islam im 3. Jahrtausend, S. 99-100

Die Juden und Christen waren in einem Islamischen Staatswesen einem Schutzsteuer unterworfen, daß nicht viel höher war als die Almosensteuer, denen die Muslime unterworfen waren. Sie wurden somit vom Wehrpflicht befreit und genossen Religionsfreiheit, Eigentumsrecht, Existenzrecht und Recht auf Nachkommenschaft. Diese Menschengruppe nannte man “die Schutzbefohlenen”. Ein von Sahih al Bukhary überlieferten Hadith zufolge soll der Prophet gesagt haben: >>Wer einem Schutzbefohlenen weh tut, der tut mir weh, und wer mir weh tut, der tut Gott weh.<<

Wer behaupten würde, daß die Muslime zu der Zeit die Nicht-Muslime zum Islam gezwungen hätten, der ignoriert und verstößt gegen das Gesetz der Schutzbefohlenen und zu dem Gebot der 2. Sure Vers 256: “La ikraha fid-din” >>Kein Zwang in Glaubensangelegenheiten<<. Somit wäre diese Behauptung zwecklos und verdeutlicht, daß diese Art von Argumenten auf zuwenig und falsches Wissen über den Islam beruht.

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5 Responses to Der Koran und die Schriftbesitzer

  1. Maschaallah, kannst du auch eine Quellenangabe machen? Vielen Dank im Voraus.

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  3. Josh Smith says:

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    Masha’ALLAH!!! Sehr schöne Erklärung!

    Das Buch von Reza Aslan “Kein Gott ausser Gott” ist sehr empfehlenswert und gut!

  5. Eddy says:

    Sehr guter Beitrag ! Weiter so :)

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