Ist der Islam eine Gesetzesreligion?

Ist der Islam eine Gesetzesreligion? Oder ist er viel mehr als das? Auf dieses Thema möchten wir heute eingehen.

Wir werden  mithilfe einiger Theologen, Pädagogen und Wissenschaftler beweisen, dass der Islam eine viel höhere Bestimmung ist, die auf Spiritualität, Moral und Glauben basiert.

Meistens wird der Islam zu Unrecht mit anderen Offenbarungsreligionen verglichen, ohne dabei die historischen Ereignisse der Zeit und den Kontext mit zu berücksichtigen. Hier möchte ich den christlichen Theologen Hans Küng zu Wort kommen lassen: “Man Muss allerdings den Unterschied sehen. Der Prophet Muhammad wurde ja von Mekka nach Medina gerufen, um zwischen den Stämmen zu schlichten, er musste ein Staat aufbauen. Man muss da schon gerecht sein, weil er konnte ja gar nicht “nicht politisch” sein, weil er als Staatsmann erwartet wurde”. (ZDF, 17.05.09).

Prof. Dr. Nasr Hamid Abu Zaid äußert sich hierzu in seinem Buch >>Mohammed und die Zeichen Gottes<< wie folgt: Im Arabien des frühen 7. Jahrhunderts hingegen gab es weder Staat noch Rechtssystem, sondern nur die Stammesethik. Diese Stammesethik forderte absoluten und ausschließlichen Gehorsam, und wer diesen Gehorsam verweigerte, der wurde ausgestoßen und verlor jedes Recht auf Schutz durch die Gemeinschaft. Was zählte, war allein die Blutsverwandtschaft; es ging nicht darum, ob der eigene Stamm im Recht oder im Unrecht war. Erst der Islam hat in Arabien eine Gesellschaft begründet. Der Islam etablierte eine neue Art von Gemeinschaft, in der nicht Blutsverwandtschaft die zentrale Rolle spielt, sondern eine höhere Form von Zusammenhalt auf der Grundlage bestimmter geteilter Werte”.

Der Koran enthält 6236 Verse. Eine wichtige Herangehensweise zum Inhalt des Korans sollte aus folgender Sicht analysiert werden, um einen gesamten Überblick zu bekommen. Prozentual betrachtet, enthält der Koran nur ca. 3,8% rechtliche Vorschriften, von denen 1,1% die Familie betreffen, 1,1% das bürgerliche Recht, 0,2% die Rechtssprechung und das Prozedere, 0,16% das Verfassungsrecht, 0,16%  die Wirtschafts und Finanzordnung, 0,4% die Internationalen Beziehungen und 0,7% das Strafrecht.

Wenn wir also den Islam als eine Gesetzesreligion betrachten, heißt es im Endeffekt, dem Geist des Korans zu verraten und den ersten Schritt am Ende zu beginnen. “Der schlimmste, für die Zukunft des Islam tödliche Fehler bestünde darin, das ewige göttliche Gesetz, die Scharia, mit dem Figh (Gesetzgebung) des 7. Jahrhunderts zu verwechseln”. (Der islamische Philosoph Roger Garaudy (Juli 1913 – Juni 2012) – Größe und Niedergang des Islam).

Zum Abschluss möchte ich Professor Mouhanad Khorchide zu diesem Thema aus einem Interview zitieren:

Professor Mouhanad Khorchide der islamischen Religionspädagogik äußerte sich im Gespräch mit Jürgen König in einem Interview wie folgt: “Dass der Islam keine Gesetzesreligion ist, also, das ist ein zentraler Punkt für mich, weil viele Muslime fassen den Islam so auf, als eine Gesetzesreligion. Es geht nur um Erlaubtes und Verbotenes, es geht nur um Gesetze, die man einfach befolgen soll, sich daran halten soll und es geht am Ende nur darum, ja nicht in die Hölle zu gehen, sondern ins Paradies. Ich glaube, der Islam ist viel mehr als nur Gesetze. Es geht erstens um Spiritualität, um eine Beziehung zu Gott aufzubauen, die auf Liebe, auf Warmherzigkeit basiert, und diese Liebe und Warmherzigkeit muss sich dann widerspiegeln im Handeln des Einzelnen seinen Mitmenschen gegenüber. Auf der anderen Seite geht es auch um Ethik, ethisches Verhalten. Das sind die zentralen Punkte für mich, im Islam genauso wie in jeder anderen Religion, diese spirituelle Dimension, diese ethische Dimension jenseits von Gesetzen”.

Zum vollständigen Text des Interviews klicke  >>hier<<

 

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One Response to Ist der Islam eine Gesetzesreligion?

  1. Mauro Ehlert says:

    Der Blog gefällt mir sehr gut. Vielen Dank für die Arbeit.

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