Gibt es Allegorie/Metapher im Koran?

Wir haben es hier mit zwei verschiedenen Gruppen von Kritikern zu tun. Die eine ist muslmisch, die andere nicht. Die eine Gruppe die die Muslime ausmachen, kritisiert jeden der es nur wagt zu behaupten, dass der Koran metaphorische Verse enthält. Einige gehen sogar soweit, dass sie als Abtrünnige diffamiert werden.

Die Vorwürfe der Nichtmuslime/Islamkritiker zum Koran ist, dass die Leute der Schrift als Affen und Schweine bezeichnet werden. Wie sich gleich herausstellen wird, gibt es im Koran genug Beweise für ein Verständnis der metaphorischen Interpretation, die eine Buchstabengetreue Wortwörtliche Auslegung des Korans strikt ablehnen.

Wie ist es nun mit den Affen und Schweinen zu verstehen?

Der hierfür grundlegende Koran Vers lautet: “Sprich: Kann ich euch etwas Schlimmeres verkünden als das, was euer Lohn bei Gott ist? Wen Gott verflucht hat und wem Er zürnt und wen Er in Affen und Schweine verwandelt hat und wer den Götzen dient -  die befinden sich in schlimmem Zustand und sind vom rechten Weg weit abgeirrt”. [5:60]

Im Gegensatz zu vielen Kommentatoren, die diesen Bezug auf >>Affen und Schweine<< wörtlich nehmen, erklärt ihn der bekannte tabi’i Mudschahid (Einer der ersten Koran Kommentator aus dem 8. Jahrhundert) als metaphorische Beschreibung des moralischen Verfalls, den solche Sünder erfahren: sie werden völlig unberechenbar wie Affen und frönen ihren Gelüsten wie Schweine. Diese Interpretation wurde auch von Tabari (gest. 922 n.Chr.) in seinem Kommentar zu 2:65 angeführt. Wie aus den folgenden Versen ersichtlich sind die Sünder, die noch schlimmer als die Spötter sind, die Heuchler und insbesondere diejenigen von ihnen, die behaupten, Anhänger der Bibel zu sein: aus dem offensichtlichen Grund, daß sie, da sie durch Offenbarung aufgeklärt wurden, keine Entschuldigung für ihr Verhalten haben.  (Muhammad Asad – Die Botschaft des Koran)

Ein Beispiel gegen die Doktrin der Wortwörtlichen Interpretation lautet :

Wenn es zum Beispiel heißt, Gottes Hand liege über denjenigen, die Mohammed Treue geloben (48:10), lässt sich von heute aus nicht mehr sagen, ob die frühen Muslime den Ausdruck “Hand” wörtlich genommen oder wie sie sich die Bedeutung eines solchen Bildes ansonsten vorgestellt haben.  (Prof. Dr. Nasr Hamid Abu Zaid)

Ein weiteres Beispiel lautet: “Das Gleichnis dessen, was sie in diesem irdischen Leben spenden, ist ein Wind voll Eiseshauch, welcher den Acker von Leuten trifft, die gegen sich selber sündigten. [...] [3:117]

Weiter heißt es woanders: “Dann wandte Er sich dem Himmel zu, welcher noch Rauch war, und sprach zu ihm und zur Erde: >>Kommt ins Dasein willig oder widerwillig.<< Sie antworteten: >>Wir kommen willig.<< [41:11]

oder: “An diesem Tage werden Wir zur Hölle sprechen: >>Bist du aufgefüllt?<< Und sie wird fragen: >>Gibt es noch mehr?<< [50:30]

Diese und noch mehrere solcher Koranverse verlangen, die Vernunft und die Logik einzusetzen und nicht den Geist des Korans zu verraten, indem man solche Verse Wortwörtlich auslegt. Wenn man bedenkt, welche Konsequenzen es für die Menschheit haben könnte, die gesamten heiligen Schriften wörtlich zu interpretieren…

Wenn alles, was im Koran steht, als ein religiöses Gesetz wörtlich befolgt werden muss, dann müssten Muslime auch die Sklaverei als gesellschaftliches und wirtschaftliches System wieder einführen, denn sie wird ja schließlig im Koran behandelt. (Abu Zaid – Gottes Menschenwort, Herder Verlag S. 156)

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Islamic theologian
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