Die Errungenschaften der westlichen Zivilisation

PDF DOWNLOAD

Was die Araber geleistet haben, war weit mehr als eine bloße Wiedergeburt des alten Griechenlands. Sie schufen eine völlig neue, eigene wissenschaftliche Welt und entwickelten bis dahin unbekannte Ansätze der Forschung und Philosophie. All das vermittelten sie über verschiedene Wege der westlichen Welt. Und man kann es nicht zu oft sagen: Das moderne wissenschaftliche Zeitalter, in dem wir gegenwärtig leben, wurde nicht in Städten des christlichen Europas eingeführt, sondern in islamischen Zentren wie Damaskus, Bagdad, Kairo, Cordoba, Nishapur und Samarkand.

Die Wissenschaft Chinas, Indiens, Mesopotamiens und des Islam erlebten wunderbare Blütezeiten, als Europa noch unwissend war. Dieses ging seither von einem barbarischen Unwissen zu einer wissenden Barbarei über. Es geht hier nicht darum, den Beitrag der griechischen oder christlichen Zivilisation, oder der Renaissance oder des 20. Jahrhunderts des Westens zu bestreiten oder zu verwerfen, sondern auf ihren wahren Wert zurückzuführen. In diesem Geist wollen wir Bilanz und Perspektiven der islamischen Wissenschaft skizzieren. Es ist bedeutsam, daß innerhalb dessen, man gemeinhin “griechische Wissenschaft” nennt, sich die Naturwissenschaft niemals in Athen oder Griechenland entwickelte, sondern in Kleinasien, Ägypten und Sizilien.

Von den Chinesen erlernten die Araber die Technik der Papierherstellung (die erste Papierfabrik wurde im Jahre 800 in Bagdad eröffnet), die der Westen durch ihre Vermittlung erst vier Jahrhunderte später kennenlernte, und in der gesamten arabischen Welt schossen Bibliotheken aus dem Boden: 815 gründet der Kalif al-Ma’mun in Bagdad das “Haus der Weisheit”, das eine Million Werke zählt. 891 zählt ein Reisender in der Stadt über 100 öffentliche Bibliotheken. Im 10. Jahrhundert besitzt eine kleine Stadt wie Najaf im Irak 40.000 Bände. Der Direktor des Obervatoriums von Maragha, Nasir al-Din al-Tusi, trägt eine Sammlung von 400.000 Titeln zusammen. Am anderen Ende der islamischen Welt, im moslemischen Spanien, kann der Kalif al-Hakim von Cordoba im 10. Jahrhundert eine Bibliothek von stolzen 400.000 Büchern sein eigen nennen, während es der französische König Karl der Weise vierhundert Jahre später kaum auf 900 bringt. Keiner aber kann es al-Aziz, dem Kalifen von Kairo gleichtun, dessen Bibliothek 1.600.000 Bände zählt, darunter 6.000 zur Mathematik und 18.000 zur Philosophie.

Der Kalif al-Ma’mun läßt in Bagdad auch ein Observatorium zur methodischen Beobachtung der Planetenbewegung erbauen. Unter der Leitung von Yahya bin Abi Mansur werden präzise Messungen durchgeführt, die vom Zentrum in Gundishahpur kontrolliert und drei Jahre später im Observatorium bei Damaskus bestätigt werden. Die Astronomie der Araber übertrifft die der Griechen nicht nur auf der Ebene der Beobachtung, sondern auch der Messung. So hat al-Battani die eklipitische Neigung auf 23°35 berechnet (man setzt sie heute auf 23°27 fest), und die rückläufige Bewegung der Äquinoktien (54°5 pro Jahr). Al-Ma’muns Astrologen kamen im 9. Jahrhundert bei ihrer Messung des Meridians auf 111.814 Meter (man schätzt ihn heute auf 110.938 Meter). Diese astronomischen Forschungen waren für die Araber von praktischem Nutzen. Um sich in der Wüste zu orientieren und mehr noch, auf See, als diese Nomaden Arabiens Seefahrer wurden und nicht nur im Mittelmeer, sondern auch im Indischen Ozean und an den Küsten Afrikas kreuzten, bedurfte es sowohl tiefreichender Kenntnisse als auch Meßinstrumente wie des Kompasses, den sie erfanden und den Chinesen weitergaben. Auf allen Gebieten der Geistes und Naturwissenschaften erzielten sie epochemachende Ergebnisse – u.a. in Mathematik, Optik, Botanik, Chirurgie, Augenheilkunde, Hygene, Lexikographie, Geschichtsschreibung, Soziologie und bei Fortführung der im Westen vergessenen aristotelischen Philosophie. Auf allen diesen und anderen Gebieten überstrahlte die islamische Zivilisation den Westen vom 7. bis zum 16. Jahrhundert.

Quellen:

Dr. Murad Wilfried Hofmann  – Der Islam als Alternative.

Muhammad Asad – Islam am Scheideweg

Roger Garaudy – Verheissung Islam

This entry was posted in Allgemein. Bookmark the permalink.

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>