Abu Hanifa? Oder Bukhari?

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Imam Abu Hanifa gest. 767 n.Chr. wurde in Kufa (Irak) geboren und verbrachte dort fast sein ganzes Leben. Seine Muttersprache war die persische und seine Gesetzgebung (figh) haben wir heute original in Persisch vor uns liegen. Abu Hanifa war der Gründer der ersten von 4 sunnitischen Rechtsschulen (medheb) die wir heute als die “Hanefitische Schule” kennen. Imam Schaafi (der Gründer der 3. Rechtsschule) sagte: “Abu Hanifa ist in der Gesetzgebung unser größter Lehrer”. Unter seinen Lehrern gehörte auch Jaffar as-Sadiq, (gest. 765 n.Chr.) ein Nachkomme des Propheten und unter den Schitten als der sechste von zwölf Imamen. Er (Abu Hanifa) war politisch auch gegen die Ungerechtigkeit der Umayyaden Dynastie aktiv. Er verteidigte dazu noch die Nachkommen des Propheten (Ehlibeyt) wo diese auf brutalster Art und Weise verfolgt und ermordet wurden, weshalb er auch sein Leben damit bezahlte. Abu Hanifa ist der einzige, der innherhalb der 4 Rechtsschulen auch als “der größte Imam (Imami Azam)” bezeichnet wird. Diese hohe Zeichnung hat nur er zugeteilt bekommen. Er wurde geschätzt für sein Wissen, seine Intelligenz und Glaubensstärke (Taqwa).  Die Präzision seiner Jurisprudenz und die Erleichterungen und Vollkommenheit seiner Glaubensschule sind weltberühmt, weshalb sie durch die meisten Muslime angenommen wurde. Die meisten Türken und natürlich Millionen Muslime aus verschiedenen Ländern bekennen sich zu dieser Strömung.

Bukhari (gest. 869 n.Chr.) wurde in Buhara geboren. Seine Hadith Sammlungen gelten nach dem Qur’an als zweit wichtigste Quelle für die Islamische Gemeinschaft. Da seine Werke als authentisch gelten, ist es vor allem in der Salafitischen Gemeinschaft unvorstellbar einen seiner Überlieferungen in Frage zu stellen. Er lebte ca. 100 Jahre später nach Abu Hanifa und nichts desto trotz zählen im Gegensatz zu Abu Hanifa seine Hadith Sammlungen als authentisch (Sahih). Wir sollten uns die Frage stellen, wie es soweit kommen konnte. Obwohl Abu Hanifa von der Zeitrechnung her viel näher zu den Gefährten des Propheten (Sahaba) war als Bukhari, hören wir kaum eine Überlieferung von ihm. Bukharis Beschuldigungen zu Abu Hanifa gehen soweit, dass er ihn als Kafir (Wahrheits Leugner) und als Ketzer beschuldigte. Siehe hierzu in seinem Werk: Kitabu’z-Zuafa ve’l-Metrukin u. Ibn Abdl Berr; el-Intika, dritter Teil.

In einem anderen Werk bezeichnet er ihn als nicht vertrauenswürdig. Siehe hierzu et-Tarihu’l Kebir, Ebu Hanife Bahsi.

Wie ist es dazu gekommen, Abu Hanifa mit solchen Anschuldigungen zu belasten und ihm Unrecht anzutun? Zunächst möchten wir einige Gemeinsamkeiten aufzählen:

1. Beide sind große Autoritäten des sunnitischen Islams.

2. Beide sind nicht arabischstämmige Muslime.

3. Beide sind hochangesehene beneidenswerte Persönlichkeiten.

4. Beide wurden aufgrund der Glaube des Erschaffenheit des Korans unterdrückt.

Die letzte Beschuldigung ist bei Abu Hanifa bestritten, jedoch liegt uns was Bukhari betrifft in einen seiner Werke bezüglich des Themas vor uns. Siehe hierzu Halku Ef’ali’l-Ibad.

Wie ist es dazu gekommen, Abu Hanifa so zu beurteilen? Die Antwort auf diese Frage ist, dass Bukhari ein Befürworter der Umayyaden Dynastie war und Abu Hanifa ihn durch seine politischen aktivitäten gegen diese Herrschaft beunruigt haben könnte. Man vermutet, dass er in Abu Hanifa durch diese vielen Gemeinsamkeiten  auch einen konkurrenten sah, gegen ihn er politisch vorgehen wollte. Tatsächlich ist es den meisten Hanefiten noch nicht einmal bekannt, daß Bukhari dessen Hadtih Sammelwerk nach dem Koran die wichtigste Quelle für  Sunniten gilt, nicht einen einzigen Hadith von Abu Hanifa Imami Azam überliefert hat und im Gegenteil diesen großen Rechtsgelehrten bei gelegenheit  immer wieder diffamierte. Hier ein Zitat aus dem Werk von Bukhari ,, Abu Hanifa ist nicht vertrauenswürdig, sondern einer der in die irre gegangen ist. Er (Abu Hanifa) wurde zweimal aufgefordert vom Kufr ( Sammelbegriff für Unglaube) Distanz zu nehmen“. ( vgl. Bukhari, et- Tarihu´l Kebir, 8/81, et-Tarihu´l Evsat, 2/93, Kitabu´z-Zuafa, S. 132).

Damit unterstellt ihm Bukhari, dass er letzten endes als Nichtmuslim gestorben ist.

Bukhari und Abu Hanifa in gleicherart zu verehren verstößt gegen die Gerechtigkeit. Keiner der beiden Legenden kann einen anderen als Kafir beschuldigen. Sollte er es trotzdem tun, würden die Grundlagen des Islams nicht erlauben, diese Person als einen Großen respektvollen Mann zu bezeichnen. Beiden Ehre zu erweisen widerspricht dem Verstand und dem Geist des Korans. Dies würde bedeuten, eine doppelzügliche Persönlichkeit auszustrahlen.

Sehr empfehlenswert zum Thema sind die Bücher  von Yasar Nuri Öztürk “ Der Islam im Koran ” 500 Seiten, 42. Auflage aber auch “Imami Azam Ebu Hanife, Arapciliga karsi Akilciligin öncüsü” 528 Seiten, 18. Auflage und Imami Azam Savunmasi 294 Seiten.

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2 Responses to Abu Hanifa? Oder Bukhari?

  1. Liza says:

    Hallo,

    Der letzte Abschnitt ist mir etwas schleierhaft. Da Abo Hanifa letzten Endes weit vor Bukhari gelebt hat, konnte er ihn nicht als Ungläubigen betzeichnen oder irre ich mich da? Demnach würde Abo Hanifa mehr Ehre zu kommen als Bukhari, oder nicht? Über eine Erklärung ihrerseits würde ich mich sehr freuen.

  2. Baycan Yanar says:

    Hallo Liza. Vielen Dank ersteinmal dass Sie sich die Zeit genommen haben und meine Seite besucht haben ;)

    Zwischen Bukhary und Abu Hanifa liegen ca. 100 Jahre. Er wurde 43 Jahre nach Abu Hanifas Tod geboren. Die Beschuldigungen diesbezüglich waren nicht von ihm persönlich, sondern es waren stets nur Behauptungen gewesen mit der Intention, Abu Hanifa zu diffamieren um Gründe hervorzuheben, ihn nicht Vertrauenswürdig zu bezeichnen. Das waren wie gesagt nur Behauptungen. Dies könnte auch einer der Gründe sein, weshalb die Salafisten abu hanifa nicht als Großgelehrten betrachten. Sie bedienen sich nämlich dabei an Bukhari.

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