Süleyman Ates zu Sure 24:2


Eine Kurzfassung der Kommentierung der Sure 24, Vers 2 aus dem 12 bändigen Koran Tafsir von Prof. Dr. Süleyman Ates.


Aus dem türkischen übersetzt von Baycan Yanar

Koran Tafsir Band 6, Seite 144-151

Sure 24 Nur: Vers; 2
Wenn eine Frau und ein Mann Unzucht begehen, versetzt jedem hundert Peitschenhiebe! Ihr sollt kein Mitleid mit ihnen haben, geht es doch um die Religion Gottes, wenn ihr an Gott und den Jüngsten Tag glaubt. Eine Gruppe von Gläubigen soll beim Strafvollzug zugegen sein.

In diesem Vers wurde kein Unterschied zwischen einem verheirateten und unverheirateten gemacht. Jedem wurde die selbe Bestrafung bestimmt. Nur in Hadithen wurde berichtet, dass die verheirateten die Unzucht begehen einer Strafe des Steinigung (die bis zur Hüfte begraben werden und bis zum Tod mit kleinen Steinen bewerfen werden) vollstreckt werden. Wir bezweifeln an der Authentizität dieser widersprüchlichen Überlieferungen, die mit dem Geist und der gesetzlichen Bestimmung bzgl. des Verses nicht vereinbar sind.

Weil:
1) Laut einem dieser Hadithe sagte Omar (r.a.): „Gott sandte Muhammad (s.) und das Buch mit Gerechtigkeit herab. In einem dieser Offenbarungen war ein Vers der Steinigung. Wir lasen es und behielten diesen Vers im Gedächtnis. Der Gesandte Gottes steinigte die Ehebrecher und wir steinigten nach ihm. Ich habe Bedenken wenn in jener Zeit jemand dadurch in die Irre geht indem er diesen Vers leugnet. Im Buch Gottes gibt es die Steinigung. Verheiratete müssen wenn es bewiesen oder ein Geständnis abgelegt wurde, gesteinigt werden“. (Buhari, Hudud: 30; Muslim, Hudud: 23; Tirmizi, Hudud: 7; Ibn Mace, Hudud: 9)

2) Laut einem dieser Überlieferungen sagte Zaid ibn Sabit: „Im Koran lasen wir: „Diejenigen die Unzucht treiben, ob alt oder jung, Mann oder Frau müssen gesteinigt werden“. Dann sagte jemand: „Wenn das so ist, dann schreibt es doch auf einem Mushaf auf“.

3) Laut einem anderen Bericht zufolge hieß es, dass die Sure 33 al- Ahzab nicht 73 Verse hatte, sondern so lang wie die Sure 2 al-Bakara war. Dort hieß es: „Diejenigen die Unzucht treiben, ob alt oder jung, Mann oder Frau müssen laut dem Gesetz Gottes gesteinigt werden. Gott ist der Heilige, Der Richter“. (Ibn Mace, Hudud: 9; Darimi, Hudud: 16; Muvatta, Hudud: 10; Ibn Hanbel: 5/132, 183.)

4) Als In der Regierungszeit von Abu Bakr (r.a.) angefangen wurde den Koran aufzuschreiben, führte der Beauftragte Zeyd ibn Sabit der die Verse schriftlich gesammelt hatte den Steinigungsvers nicht ein, weil  Omar (r.a.) keinen anderen Zeugen außer sich selber hatte. Im Gegensatz dazu akzeptierte er die Äußerung von Abu Huzeyme. Er erwähnte nämlich, dass dieser Vers zu den letzten Vers der Sure Berah‘eh gehörte. Der Grund für diese Annahme war, dass der Prophet Abu Huzeyme‘s Kräftigkeit der Zeugenaussage wie die von zwei Personen ansah. (Buhari, el Huru‘l-In; Suyuti, Itkan: 1/63; Kitabu‘l-Mesahif: 8.)

All die Überlieferungen entsprechen bei diesem wichtigen Thema nicht der Logik. Was für eine Weisheit soll dies ausdrücken, wenn es laut den Erzählungen dieses Urteil im Koran existierte und später entfernt wurde? Wenn wir annehmen sollten dass Punkt 3 stimmt, müssen wir davon ausgehen dass im Koran viele Verse nicht mehr existieren bzw. verloren gegangen sind. Zu behaupten, die Sure 33 al-Ahzab (73 Versen) hätte die Länge von al-Bakara (286 Versen) gehabt, würde bedeuten dass viele Offenbarungen nicht mehr vorhanden seien.

Wie kommt es, dass Zeyd ibn Sabit die Überlieferung von Abu Huzeyme für zulässig, von Omar (r.a.) jedoch für unzulässig erklärte? Omar (r.a.) ist keine Vertrauensunwürdige Person gewesen.

Unsere Starke Überzeugung ist, dass bei den Arabern zu der Zeit die Steinigung wie auch das Handabhacken gang und gebe war. Schließlich gibt es diese Strafen auch in der Thora (Tesniye, 22 bab.) Als im Koran statt die Steinigung die Körperstrafe (100 Schläge mit einem Leder) eingeführt wurde, haben die auf Ehre und Tradition viel Wert legenden Araber alles mögliche versucht und Hadithe erfunden, um die Steinigung rechtzufertigen und dies sogar auf den Propheten (s.) zurückzuführen. All diese Gerüchte haben viel Einfluss auf die islamisch traditionelle Rechtssprechung (fikh) erreicht.

Es war auch bekannt, dass zu der Regierungszeit von Hz. Omar die Unzucht stark zugenommen hatte. Diese Bestrafung könnte er durch selbstständiges Urteil (Ijtihad) für nötig gehalten haben. Einige haben sich gegen Omar (r.a.) gestellt mit der Begründung, er widerspreche dem Koran. Doch die Antwort von ihm war, dass sie nicht der Sunna widerspreche. Es wird unter allem auch überliefert, dass Omar (r.a.) gewisse Bestrafungen erschwert haben soll. z.B. hat der Prophet (s.) und Abu Bakr (r.a) beim konsumieren von Alkohol zwei Schläge mit einem Stock und laut anderen Gerüchten zufolge vierzig Schläge als Bestrafung bestimmt. Omar (r.a.) hingegen hat dies wohl auf 80 Schläge erhöht. (Darimi, Hudud 9)

(Süleyman Ates lehnt ebenfalls eine Bestrafung für das konsumieren der alkoholischen Getränke strikt ab, weil diese ebenfalls im Koran nicht existiert. So heißt es im Koran 10:15: “Sprich: “”Es steht mir nicht zu, ihn aus eigenem Antrieb zu ändern. Ich folge nur dem, was mir offenbart wurde”.)

Der Koran hat die Körperstrafe akzeptiert, die Steinigung jedoch abgelehnt. Ob verheiratet oder nicht, diese Sünde ist die selbe Sünde. Und die selbe Sünde hat auch die selbe Bestrafung.

Man muss davon ausgehen, dass wenn der Prophet die Bestrafung der Steinigung vollzogen hätte, dann nur vor dieser Offenbarung praktiziert haben könnte. Denn durch diesen Vers, hätte er keinen Grund mehr gehabt sich an die Thora zu lehnen. Somit wurde  die Steinigung die in der Thora legitim war, abrogiert. (et-Tefsiru‘l-hadis: 10/100)

Dass der Prophet aber diese Strafe angewendet haben soll lehnen wir strikt ab. Einen Menschen halb zu begraben und mit Steinen zu bewerfen bis dieser stirbt, steht stark im Widerspruch zu dem, der als eine Barmherzigkeit für die Welten gesandt wurde.

Es ergibt sich im übrigen auch daraus, daß der Koran für unfreie (also für sklaven) Ehebrecher die Hälfte (50 statt 100 Schläge) der Strafe von freigeborenen Ehebrechern angeordnet hat, (4: 25) was auch von allen 4 Rechtsschulen so bestätigt werden. Es ist eindeutig, dass bei dieser Bestrafung eine hälfte der Strafe angewendet werden kann. Doch wie soll man die hälfte der Todesstrafe verstehen? Aus diesem Grund gab es auch schon zu diesen Zeiten jene, die solche Arten der Bestrafung nicht toleriert haben.

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