Wo ist Allah?

Seit Jahrhunderten wird darüber diskutiert, wo sich Gott befindet. Immernoch herrscht bei diesem Thema eine Uneinigkeit. Andere meinen, Gott ist außerhalb von Raum und Zeit, andere wiederrum behaupten, dass Gott sich zwar außerhalb von Raum und Zeit befindet, jedoch einen Thron erschaffen hat, den Er bestieg und auf ihm “sitzt”. Wir werden uns auf einige Koranverse konzentrieren, um sich mit der Vielfältigkeit der Interpretationen verschiedener Gelehrten auseinanderzusetzen. Der hierfür grundlegende Koranvers lautet: (…) “und auf dem Thron Seiner Allmächtigkeit sitzt” (…) 7:54

Einer der bedeutensten Gelehrten des 20. Jahrhundert Muhammad Asad kommentierte diesen Vers wie folgt: >> Hinsichtlich des Begriffs “arsch” (wörtl.: Thron oder Sitz der Macht) sind alle klassischen wie modernen muslimischen Kommentatoren übereinstimmend der Meinung, daß sein metaphorischer Gebrauch im Qur’an Gottes absolute Herrschaft über Seine Schöpfung ausdrücken soll. Es ist bemerkenswert, daß an allen sieben Stellen, an denen im Qur’an von Gott gesagt wird, daß Er “auf dem Thron Seiner Allmächtigkeit sitzt ( 7:54 – 10:3 – 13:2 – 20:5 – 25:59 – 32:4 und 57:4), diese Wendung mit der Aussage verbunden ist, daß Er das Universum erschaffen hat. << Muhammad Asad – Die Botschaft des Koran S. 279

Der große Theologe Prof. Dr. Süleyman Ates kommentierte in seinem Koran-Tafsir (12 Bände):  >> Es kann nicht davon die Rede sein, dass Gott auf dem Thron sitzt. Dies drückt aus, dass Gott die volle Beherrschung über Seine Schöpfung hat. Gott drückt Sich in vielen bereichen allegorisch aus,  denn Er berücksichtigt die Kapazität des Denkvermögens, welches beim Menschen begrenzt sind. << (Süleyman Ates Tafsir; Band 3 S. 347-348). Hierzu gibt Prof. Ates die Quelle von dem großen Gelehrten Fahreddin Razi (gest. 1209 n.Chr.) >Mefatihu’l-gayb 14/115.<

Wir konnten anhand der Beipsiele dieser Gelehrten klar erkennen, dass der Grund für die Kontroverse bezüglich des Themas darin liegt, ob die Verse die wir oben als Beispiel gegeben haben “wörtlich”, oder “metaphorisch” zu verstehen sind.

Im Zusammenhang hierzu sollten diese drei Stellen aus dem Koran berücksichtigt werden:

“Allah gehört der Osten und der Westen. Wohin ihr euch auch wenden möget, da habt ihr Allahs Antlitz vor euch. Er umfaßt alles und weiß Bescheid”. (2:115)

“Und wenn dich meine Diener nach mir fragen, so bin Ich (ihnen) nahe (…)” (2:186) Doch wie ist es mit der Nähe zu verstehen?

“(…) und sind ihm näher als die Halsschlagader”. (50:16)

Es ist eine Gottbeleidigende Vorstellung zu behaupten, dass Gott sich irgendwo sitzend auf Seinem Thron befindet. Der Begriff “sitzen”  ist wie “die Hand” Gottes zu verstehen. “Wenn es zum Beispiel heißt, Gottes Hand liege über denjenigen, die Mohammed Treue geloben (48:10), lässt sich von heute aus nicht mehr sagen, ob die frühen Muslime den Ausdruck “Hand” wörtlich genommen oder wie sie sich die Bedeutung eines solchen Bildes ansonsten vorgestellt haben”. (Prof. Dr. Nasr Hamid Abu Zaid)

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6 Responses to Wo ist Allah?

  1. Khaleed al Abdullah says:

    Du erwähnst nur Leute der “heutigen” Zeit. Kannst du Kommentare der Gelehrten der gesegneten Generationen uns mitteilen?

    Und zwar klare Aussprüche, dass dieser und genau dieser Vers metaphorisch gemeint werden soll.

  2. Baycan Yanar says:

    Selam. Der Satz: “Du erwähnst nur leute von heutiger Zeit” ist von vornherein schon eine falsche herangehensweise zum Koran. Somit würde man behaupten, dass es nur früher Gelehrten gab. Jedes Zeitalter hat seine Interpretation und sein verständnis. Früher waren gewisse Definitionen auch begrenzt wie z.B; die Sure “Alak”. Niemand wusste zur Zeit wie man das Wort “alak” versteht. Doch heute wissen wir, wie es mit den 3 Entwicklungsphasen der Embryologie zu verstehen ist. Ich empfehle dir folgende zwei Artikeln auf diesem Blog ebenfalls zu lesen:

    1 – http://tavhid.de/?p=645

    2 – http://tavhid.de/?p=122

    ps: Das ich nur neue Gelehrten als Quelle aufgelistet habe stimmt nicht. In diesem Artikel wurde z.B diese Quelle angegeben: “”Fahreddin Razi”” (gest. 1209 n.Chr.) >Mefatihu’l-gayb 14/115.<

    wslm

  3. DienerGottes says:

    Leider muss ich mit den folgende, Quran Vers und dessen Erläuterund, Kommentaren und Ahadith deinen Beitrag stark kritisieren:

    Zahlreiche Verse verdeutlichen, dass Allâh (t) Sich erhoben hat:

    „Der Allerbarmer hat den Thron bestiegen.“ (20:5)

    „Seht, euer Herr ist Allâh, Der die Himmel und die Erde in sechs Tagen erschuf, alsdann den Thron bestieg.“ (7:54)

    „Seht, euer Herr ist Allâh, Der die Himmel und die Erde in sechs Tagen erschuf, alsdann den Thron bestieg.“ (10:3)

    „Allâh ist es, Der die Himmel, die ihr sehen könnt, ohne Stützpfeiler emporgehoben hat. Dann bestieg Er den Thron.“ (13:2)

    „Er, Der die Himmel und die Erde und das, was zwischen beiden ist, in sechs Tagen erschuf, bestieg alsdann den Thron.“ (25:59)

    Das arabische Wort, was für „den Thron ERHOBEN“ benutzt wird, ist „Istiwa’“, was eindeutig das “ERHOBEN oder ÜBER SEIN” bezeichnet, so dass es darüber ist. Das gleiche Wort wird im Qur’ân auch für das Landen der Arche auf dem Berg Judyy benutzt, die sich also wörtlich „auf den Berg gesetzt hat“. Istiwa’ im Zusammenhang mit dem Besteigen des Throns von Allâh (t) bedeutet ganz klar, dass Allâh (t) über dem Thron ist.

    Dies ist ebenso der einstimmige Glaube der vier Rechtsschulen und ihrer Anhänger:

    · Abu Mutî’ al-Balkhi berichtete:
    „Ich fragte Abu Hanîfah nach einer Person, die sagt: ‚Ich weiß nicht ob mein Herr im Himmel oder auf der Erde ist.‘
    Abu Hanîfah antwortete:

    ‚Jemand, der so etwas sagte, ist ein Murtadd (ein vom Islam abgefallener), da Allâh (t) sagt: ‚Der Allerbarmer hat den Thron bestiegen.‘, und der Thron von Allâh ist über Seinen Himmeln.‘ Weiter fragte ich Abu Hanîfah: ‚Was ist, wenn die Person zustimmt, dass Allâh auf dem Thron, aber gleichzeitig behauptet: ‚Ich weiß nicht, ob der Thron über den Himmeln oder auf der Erde ist.‘?‘ Abu Hanîfah antwortete: ‚Wenn er leugnet, dass der Thron über den Himmeln ist, ist er ein Murtad.‘“

    · Imâm Mâlik sagte:

    „Allâh ist über den Himmeln, aber Sein Wissen umfaßt alles. Nichts kann Seinem Wissen entkommen.“

    · Imâm Asch-Schâfi’i sagte:

    „Mein Glaube ist der gleiche wie der Glaube der Muslime vor mir, nämlich das Glaubensbekenntnis: ‚Ich bezeuge, dass es keinen Gott gibt außer Allâh, dass Muhammad sein Gesandter ist, dass Allâh über dem Thron ist über den Himmeln. Er steigt hinab zum untersten Himmel wann immer Er will.‘“

    · Als Imâm Ahmad ibn Hanbal gefragt wurde: „Ist Allâh über dem Thron, über den sieben Himmeln, separat von Seiner Schöpfung, und umfaßt Sein Wissen und Sein Macht alle Dinge überall?“, antwortete er:

    „Natürlich, Er ist über dem Thron, und nichts kann Seinem Wissen entkommen.“

    Die Zitate zeigen eindeutig den Glauben der früheren Muslime, nämlich, dass Sich Allâh (t) über dem Thron über den Himmeln befindet, und dass Er nicht eins ist mit Seiner Schöpfung. Und mehr als ein Gelehrter haben denjenigen zum Kâfir erklärt, der das Gegenteil behauptet.

    Wieso sollten wir die Aussagen dieser Gelehrten leugnen und Aussagen der Professoren, dessen Beweisführungen rein aus eigener Interpretationen herbeiführen, Glauben schenken?

  4. Baycan Yanar says:

    Salamu aleikum.

    Die Probleme bei den 5 Versen die du angegeben hast bzgl. Des “Erhebens über dem Thron” liegen darin, dass du sie wörtlich auslegst. Diese sind jedoch metaphorisch.
    Falsche İnterpretation vorzuwerfen ist etwas zu gewagt, da man die Primärquellen im Artikel nicht so leicht aus der Hand weisen kann. Zudem muss du das Zeitalter mit im Kontext betrachten wenn es darum ging zu beschreiben, wo sich Gott befinde in dem sie mit dem Finger nach oben zeigten. Auch hier ist dies nur ein Ausdruck der Überdimension gewesen. Dieses Handzeichen ist somit nicht wörtlich zu nehmen, sondern in Betrachtung des Kontextes mit (zur damaligen Zeit) begrenzten Ausdrücken.

  5. DienerGottes says:

    Aber wieso sollte man etwas metaphorisch auslegen, wo es doch genau geschildert ist und die wörtliche Auslegung näherliegt als die metaphorische?

    Dazu immer noch diese Erläuterung:

    Das arabische Wort, was für „den Thron ERHOBEN“ benutzt wird, ist „Istiwa’“, was eindeutig das “ERHOBEN oder ÜBER SEIN” bezeichnet, so dass es darüber ist. Das gleiche Wort wird im Qur’ân auch für das Landen der Arche auf dem Berg Judyy benutzt, die sich also wörtlich „auf den Berg gesetzt hat“. Istiwa’ im Zusammenhang mit dem Besteigen des Throns von Allâh (t) bedeutet ganz klar, dass Allâh (t) über dem Thron ist.

    Vielleicht ist das falsch rübergekommen, aber ich habe in erster Linie keine “falsche” Interpretation vorgeworfen.

  6. Baycan Yanar says:

    Selam. Bitte liess den Artikel nochmal aufmerksam. Dort ist es geschildert warum wir es metaphorisch betrachten sollten inkl. Beispiele. Dass Wort “Hand” ist auch offen. Alles ist Offenkundig aber die Bedeutung bzw. Die Interpretation ist mutashabihat (mehrdeutig). Abu Hanifa und viele andere Gelehrten wie shafi ordneten diese Verse i. Die Kategorie der Mutashabihat. Also nicht Eindeutig wie du behauptest :)

    Wslm.

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