Arabisch um den Koran zu verstehen?

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Zu behaupten, man dürfe den Koran nicht übersetzen und müsse nur aus dem arabischen Text gelesen werden:

Diese herangehensweise, einige (auserwählte) Sprachen für unantastbar oder heilig zu erklären wurde schon im Mittelalter bei den Christen & Juden verübt. Die Rabbiner, Päpste z.B. haben die Lateinische Sprache für heilig erklärt und es verboten, die Thora und die Bibel zu übersetzen. Dieselbe Krankheit hat sich seit Jahrhunderten (obwohl der Koran sich deutlich gegen stellt) auch bei den Muslimen verbreitet. Im frühem Alter wird eingeprägt, dass der Koran nicht übersetzt werden könne und es ausreicht auf arabisch zu rezitieren. Das arabische sei die Sprache des Paradieses heißt es in erfunden Hadith-Überlieferungen.

Folgende Koranverse wollen wir auflisten die als Begründung dafür verwendet werden:

“Wir haben es auf Arabisch offenbart, damit ihr es versteht”. (Koran 12:2)

“So haben Wir den Koran als Richtschnur in arabischer Sprache herabgesandt”. (Koran 13:37)

“Wir haben es zu einem arabischen Koran gemacht, auf dass ihr darüber nachdenken möget”. (43:3)

Was bedeutet es, wenn der Koran wiederholt betont, dass er in „einfachem Arabisch“ offenbart worden sei?

Wenn wir die angegebenen Verse genauer betrachten wird folgendes klar: Der Koran ist in arabischer Sprache offenbart worden weil Gott (Koran 14:4) die Sprache der Menschen berücksichtigt, zu denen Er Seinen Boten schickt: “Wir haben keinen Gesandten geschickt, der nicht in der Sprache seines Volkes die Offenbarung klar verkündete”. Wie sonst könnte man darüber nachdenken? Darüber hinaus gibt es noch zahlreiche andere Verse die uns zu verstehen geben, dass wir über den Koran detailliert nachdenken/verstehen müssen:

“Der Koran ist ein segensreiches Buch, das Wir dir herabgesandt haben und über dessen Verse sie nachdenken müssen”. (Koran 38:29)

“So legen Wir die Zeichen (ayats) dar für Menschen, die sich ihres Verstandes bedienen”. (Koran 10:24)

“Sie sollten sich doch gründlich Gedanken über den Koran machen!”. (Koran 4:82)

Selbstverständlich unterstreicht der Koran, dass es mehrdeutige Verse gibt, wo niemals eine Konsens unter den Gelehrten geherrscht hatte wie zum Beispiel der Vers 15 der Sure 22: “Wenn einer meint, dass Gott ihm im Diesseits und Jenseits nicht helfen werde, mag er mit einem Seil den Himmel zu erreichen suchen und es hierauf abschneiden! Und dann mag er schauen, ob diese seine List dahinschwinden lässt, worüber er grollt!”. Alle Gelehrten vom ersten bis zum zeitgenössischen Kommentatoren legten diesen Vers unterschiedlich aus. Viele Verse gibt es, die der Menschheit zur gewisser Zeit verborgen bleibt und das Wissen einiger Rätselverse Gott allein verfügt. Die Beste Koraninterpretation ist die Zeit sagt Prof. Dr. Yasar Nuri Öztürk. Darüber hinaus gibt es auch eindeutige Koranverse und diese werden als die Mutter des Buches bezeichnet: “Es enthält eindeutige, grundlegende Verse, die den Kern des Buches bilden” (Koran 3:7) und für jeden leicht verständlich ist. Die Übersetzung spezifisch vom Koran zu trennen aufgrund der Verse die uns von der Bedeutung und der Formulierung her betrachtet verborgen bleiben ist inkorrekt. Beide Richtungen, ob dies arabisch rezitiert oder aus der Übersetzung gelesen werden enden am gleichem Ziel.

Der Pakistanische Gelehrte Abu A’la Maududi (gest. 1979) sagt: “Wir können mit solchen Versen nicht der Behauptung gelangen, dass das ein Buch der Araber ist. Diese Verse tragen eine Botschaft wie: “O ihr Araber. Ihr habt die Möglichkeit die schöne Botschaft zu verstehen. Diese ausgezeichnete Botschaft ist ein Zeichen eures Herrn. Es wurde in eurer Sprache offenbart und habt somit keinen Grund zu behaupten, dass ihr sie nicht versteht”. (Tefhimu’l Kur’an 2/ 441)

Um zwischen der Übersetzung und dem originalen Text des Korans zu trennen werden folgende Gründe aufgrund der unterschiedlichen Formulierungen eindeutiger Koranverse angegeben: Sure 97 (al-Qadr) Vers 2:

“Wer hat dir mitgeteilt, was die Nacht des Schicksals ist?” (Diyanet Vakfi); “Was lehrt dich die Kraftvolle Nacht?” (Hasan Basri Cantay); “Und was könnte dich begreifen lassen, was sie ist, diese Nacht des Schicksals?” (Muhammad Asad); “Und wer wird dich lehren, was die Nacht der Bestimmung ist?” (M. Hamidullah)

Hier geht es nicht um das Blinde nachsprechen/rezitieren der einzelnen Koranverse. Bei solchen Formulierungsproblemen die auftreten ist es nicht ausschlaggebend sich darauf zu konzentrieren buchstabengetreu die Worte wiederzugeben. Es kommt viel mehr auf die Essenz der Botschaft an die dem Menschen erreichen soll.

Einige Gelehrten gingen sogar weit hinaus und waren der Ansicht, dass auch eine Übersetzung als ein Koran bezeichnet werden darf:

Abdullah bin Ahmet en-Nesefi(gest. 1301), der im sunnitischen Islam für seine Intelligenz und sein Wissen sehr geschätzt und geachtet wurde, kommt zu dem Entschluss, dass:

Wenn der Koran außerhalb der arabischen Sprache sinngemäß übersetzt wird, ist diese ebenfalls als “Koran” zu bezeichnen. (Siehe hierzu Medariku’t-Tenzil)

Der Hadithgelehrte und Jurist der hanefitischen Rechtsschule Zeyla’i (gest. 1343) vertrat dieselbe Sichtweise, fügt jedoch folgendes hinzu:

“Da die anderen Schriften (wie die Psalmen, Thora, Evangelium) nicht in arabischer Sprache geoffenbart wurden, wäre es keine Pflicht, den Koran aus dem arabischen Text zu lesen”. (Vgl. Zeyla’i; Tebyinu’l-Haqaiq, 1/110-111)

In einem anderen Koranvers heißt es: “Hätten Wir ihn zu einem fremdsprachigen Koran gemacht, hätten sie gewiss gesagt:“Warum sind seine Zeichen nicht deutlich erklärt worden?” Koran 41:44

Der Vers sagt explizit aus, dass Gott Sich eine andere Sprache für die Erschaffung des Korans hätte aussuchen können. Der Koran ist arabisch, weil Gott sich an das arabische Volk wendet, nicht um die arabische Sprache heilig zu erklären.

“Zu Seinen Zeichen gehört die Schöpfung der Himmel und der Erde und die Vielfalt eurer Sprachen und Hautfarben. Darin sind Zeichen für die Wissenden”. (Koran 30:22)

“Gott hat uns die Vielfältigkeit der Interpretationsbedürftigen Koranverse herabgesandt, damit unser Verstand niemals ausstirbt und sich in einem ständigen Prozess zum nachdenken befindet. Anders würde es fatale Folgen für den Menschen haben, wenn die Religion nichts mehr hätte, wonach man an Wissen streben müsse”. Muhammad Abduh – Tefsiru’l Menar 3/235-248

“Wir haben den Koran zum Nachdenken leicht gemacht. Gibt es denkende Menschen, die daraus Lehren ziehen?” (Koran 54:17)

“Der Koran ist göttlich, seine Interpretation jedoch sind Menschenwerke”. Nasr Hamid Abu Zaid. (gest. 2010)

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4 Responses to Arabisch um den Koran zu verstehen?

  1. Husayni says:

    As-salamu ‘alaikum!

    Es ist nicht verboten und nicht falsch den Quran zu übersetzen. Es ist auch nicht falsch den Quran auf deutsch zu lesen, aber es ist sehr wohl falsch aus der Übersetzung zu interpretieren.

    Arabisch ist eine komplexe Sprache, wesentlich komplexer als die Deutsche. Und es gewinnt zusätzlich und deutlich an Komplexität, da es die Schrift Gottes ist.

    Wer aber denoch meint er könne den Inhalt eines 0,5 l Behälters in einen 0,3 l Behälter schütten ohne dabei an Gehalt zu verlieren, der soll es doch bitteschön tun, soll mir aber das erstmal experimentell beweisen.

    wa’salam

  2. Eddy says:

    suuuuper!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

  3. Baycan Yanar says:

    Selam Husayni.

    Der Artikel hat ja nicht das Gegenteil behauptet :) )

    Sicherlich kann man aus der Übersetzung interpretieren, jedoch dürfen wir das nicht zum originalen Begriff zum arabischen verbindlich machen. Wir müssen stets im Hinterkopf bedenken, dass diese Begriffe noch andere Bedeutungen haben. Der einzige Weg ist, sich mit Tafsirs auseinander zusetzen. Nur da werden uns die Begriffe die verschieden gedeutet werden können erläutert und Begründet, weshalb jene und diese Begriffe verwendet wurden. Dann wiederrum werden uns andere Gelehrten als Beispiel angegeben wer wie was verwendet hat um so einen besseren Überblick zu bekommen. Es führt auch kein Weg dran vorbei, sich mehrere Tafsirs zu besorgen. Nur mit einen oder Zwei ist die Sache nicht so leicht gegessen.

    wslm

  4. Sabina says:

    Salam alaikum,
    es ist ein wichtiges Thema was ihr ansprecht, insofern also danke für das Teilen Eurer Gedanken.
    Ich selbst bin konvertierte Muslima, Arabisch ist nicht meine Muttersprache und so habe ich meine “liebe Mühe” damit, den Qur’an auf Arabisch zu lernen / zu verstehen usw. Trotzdem denke ich, dass es wichtig ist, nicht die Rolle der arabischen Sprache für unsere Religion zu relativieren.
    Ich versuche mal zu erklären wie ich das verstehe:
    1. Mitnichten ist Arabisch eine “bessere” Sprache als andere Sprachen und die anderen Sprache gewissermaßen “minderwertig”. Vgl. dazu den Vers “Und unter Seinen Zeichen sind die Schöpfung der Himmel und der Erde und die Verschiedenheit eurer Sprachen und Farben. Hierin sind wahrlich Zeichen für die Wissenden.” (30:22). Die Sprachenvielfalt ist eines der Zeichen Allahs!
    2. Auf der anderen Seite hat die arabische Sprache bestimmte Eigenheiten, die sie besonders geeignet dafür machen, der Träger der göttlichen Botschaft zu sein. Als Ergebnis war es möglich, dass der Qur’an in seiner genauen Form über Jahrhunderte erhalten worden ist. Die meisten anderen Sprachen haben sich im Laufe der Zeit so stark verändert, dass sie über so lange Zeiträume den Menschen nachfolgender Generationen nicht klar verständlich sind. Am Beispiel des deutschen schaue man sich z.B. eine alte deutsche Übersetzung der Bibel. Veränderte Rechtschreibung, Darstellung des Alphabets usw., Wörter deren Bedeutung sich im Laufe der Zeit gewandelt hat (z.B. “Weib” früher normal, heute abfällig), machen es schwer, eine alte Schrift auf Anhieb zu verstehen.
    3. Allah hat seinen Gesandten in der Regel die Macht der Wunder gegeben, und sie somit gegenüber eurem Volk ausgezeichnet und ihnen damit auch eine gewisse Glaubwürdigkeit verliehen (z.B. Isa (aleihi salam) konnte mit Allahs Erlaubnis Kranke heilen und sogar Tote zum Leben erwecken. Das Waren Taten, die seine Zeitgenossen tief beeindruckt hatten). Zur Zeit Mohammeds (salallahu aleihi wa salam) hatten die Araber ein feines Gespür für Poesi und für die Schönheit der Sprache und aufgrund der Schönheit des Qur’an waren sogar diejenigen, die seiner Botschaft nicht folgen wollten tief beeindruckt. Das Wunder des Propheten Muhammad IST DER QUR’AN. Die Besonderheit dieses Wunders ist, dass nicht nur die Zeitgenossen des Propheten daran teilhaben können, sondern auch wir noch, wenn wir es denn wollen. Uns steht (zumindest im Regelfall) die Möglichkeit offen, arabisch zu lernen und von dem Wunder der sprachlichen Schönheit und Präzision des Qur’an auch heute noch zu schmecken!
    Ich kann nur für mich sagen, dass ich obwohl schon seit 10 Jahren Muslima, erst jetzt langsam beginne die arabische Sprache zu lernen. Bisher kann ich nur für einzelne Passagen die Schönheit erfassen, aber es macht fast süchtig nach mehr!
    Natürlich kann man (und soll man!!!) die Übersetzung in seiner Muttersprache lesen. So kann man den Inhalt erstmal -wenn auch mit überstetzungsbedingten Abstrichen – erfassen. Aber die Schönheit, die Präzision und Vielschichtigkeit des arabischen Qur’an: in den Genuss kommt man wohl nur, wenn man anfängt Arabisch zu lernen. Ich emfehle sehr in diesem Zusammenhang folgenden Vortrag: http://youtu.be/BaS5NsvZ4yM
    Möge Allah uns allen helfen, die Schönheit des Qur’an in Form und Inhalt möglichst umfassend zu erfahren!
    Wasallam
    Sabina

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