Wieso nicht Koran allein?

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Zum Thema Hadith (Aussprüche des Propheten) gibt es unterschiedliche Überlierfungen. Zum einen heißt es, dass zur Lebzeiten des Propheten verboten war, einige Hadithe niederzuschreiben und zum einen, die es legitimieren.

Der Grund für diesen Artikel liegt nicht darin, alle Hadithe zu verwerfen sondern zu differenzieren. Es werden massenweise Hadithe in die Welt gesetzt, die im Koran ihre Bestätigung nicht finden und sich sehr stark im Widerspruch zum Buche Gottes befinden. Diese Quellen sollten bezwecken, viele Hadithe kritisch zu betrachten.

Eine Minderheit der Muslime verwenden jedoch das Verbot der Niederschrift als Grund dafür, die Sunna bzw. die Hadithe komplett zu verwerfen. Hierzu werden wir die primären Quellen zu Wort kommen lassen um einige Unstimmigkeiten zu beseitigen.

Die zu kritisierenden Punkte sind folgende:
Die Sammlungen hatten den selben Status wie der Koran und wurde somit als die “Zweite Alternative” betrachtet. Um die ganze Sache etwas heilig zusprechen, wurde folgender Kontext eines Hadiths erfunden und im Umlauf gesetzt: Abdullah b. Amr. As (gest. 684 n.Chr.) sagte; “Ich habe alles was der Gesandte Gottes sagte aufgeschrieben und auswendig gelernt. Aus dem Grund haben mich die Kureysch verstoßen. Daraufhin habe ich aufgehört diese sachen niederzuschreiben und ich erzählte diese Situation dem Gesandten Gottes. Er Sagte: “Schreib es Nieder! Bei dem, Der meine Seele in der Hand hat, was aus meinem Munde kommt, ist niemals eine Lüge”. (Ibn Hanbal; Musnad, 2/162)

Weder die Religion, noch die Geschichte würde zulassen, diesen Kontext als authentisch zu betrachten. Weil Abdullah b. Amr, in der mekkanischen Zeit noch ein 7 Jahre altes Kind war. Diese Situation hätte sich in Medina ebenfalls nicht angeeignet, denn die Kureysch existierten nicht in Medina sodass sie Abdullah b. Amr hätten austossen können.

Es folgen weitere Beispiele, wie mit den Hadithen umgegangen wurde:

Von Abu Sa’d Ata b. Yesar wurde dies berichtet; “Wir baten den Gesandten Gottes um die Erlaubnis, seine Ausprüche aufzuschreiben aber er hat es uns verboten:” (Tirmidhi, ilm 11; Muslim, zuhd, 72)

Abu Bakr der 1. rechtgeleitete Kalif, ließ die Muslime nach dem Tod des Propheten versammeln und sprach: “Ihr überträgt von dem Gesandten Gottes verschiedenartige Hadithe. In diesem Fall werden die nächsten Generationen einer noch größeren Uneinigkeit befinden. Hört auf, Hadithe zu übertragen! Wenn von euch verlangt wird, Hadithe zu bringen so sagt dann: Gottes Buch ist bei uns. So haltet für erlaubt, was es euch gebietet und für verboten, was es euch untersagt.” (Zehebi, Tezkire 1/3)

Der 2. Kalif Ummar ibn al Khattap verlangte von der Gemeinschaft, dass jeder der eine Aussage des Propheten schriftlich aufbewahrt hatte, ihm zu übergeben. Daraufhin kamen ca. 500 Aussagen zusammen und er sah einige gravierende Unstimmigkeiten. Als er dies bemerkte, empfahl er der Gemeinde keinen anderen Text außer dem Qur’an zu folgen (Ibn Sa’d, Leiden baskisi, 5/140).

Dhahabi berichtet: Der Kalif Abu Bakr verfasste eine Arbeit, die fünfhundert Überlieferungen des Propheten enthielt. Er überliess sie seiner Tochter Aischa, aber gleich am nächsten Tage forderte er sie zurück und zerstörte sie. (Muhammad Hamidullah – Der Islam S. 58)

In einem anderen Hadith Überliefert heißt es: >>Höret auf mich und folget mir, solange ich unter euch weile. Nach meiner Zeit, so rate ich euch, klammert euch an das Buch Gottes. Haltet für erlaubt, was es euch gebietet und für verboten, was es euch untersagt.<< [vgl. Elbani, el-Ahadis es-Sahiha, 3/358-360]. Auffallend in dieser Überlieferung ist, dass es sich hierbei um erlaubtes und verbotenes handelt.

Weiter heißt es: “Niemand soll von mir etwas anderes außer dem Koran Niederschreiben. Wer etwas anderes niederschreibt, der soll es sofort zerstören”. (Muslim, Zuhd 72; Hanbel 3/ 12,21,39)

Um auf die Geschichte von Abdullah b. Amr. As zurückzukommen, ist dies nicht die einzige Überlieferung. Denn es exisitert noch eine andere Version, die historisch nicht umstritten ist. Der Hadithgelehrte Ibn Kuteybe (gest. 889) überliefert folgenden Kontext: “Abdullah b. Amr. As fragte den Propheten: “” O Gesandter Gottes, darf ich alles niederschreiben was ich von dir höre?”". Der Gesandte: “”Schreib es auf”". Abdullah b. Amr. As: “”Auch wenn du wütend bist?”". Der Gesandte: “”Auch wenn ich wütend bin! Denn in beiden Situationen spreche ich nur die Wahrheit”". Hanbel, Müsned 2/ 162, 192, 207.

Zu dem Verbot und der Erlaubnis der Hadithe, sie schriftlich festzulegen äußert sich Ibn Kuteybe wie folgt: “”Wir sind der Ansicht, dass in dieser Angelegenheit keine Widersprüche vorhanden sind. Hierzu sind zwei Sichtweisen möglich”".

1. Man könnte meinen, dass unter den Hadithen eine Abrogation existiert. Nach der Zustimmung des Propheten wurden vorab Hadithe aufgeschrieben, und als er erkannte, dass sie im nachhinein in einer hohen Anzahl existierten und es fast unmöglich war sie im Gedächtnis zu behalten, hat er die Niederschrift verboten.

2. Die Niederschrift wurde nur Abdullah b. Amr. As genehmigt. Da er gut lesen und schreiben konnte bzw. viele alte Bücher las, war er im Gegensatz zu den anderen der einzige Vertrauenswürdige Person gewesen, was das lesen und schreiben anbelangt. Er war sprachlich sehr begabt und konnte zu dem auch fließend hebräisch. Der Prophet hatte das Gefühl dass er nichts falsch machen konnte und hat sich deshalb auf ihn verlassen. Ibn Kuteybe; Te’vilu Muhtelif-il Hadis (Hadis Müdafaasi) S. 431.

Was bedeutet es, wenn es heißt: “Niemand soll von mir etwas anderes außer dem Koran Niederschreiben. Wer etwas anderes niederschreibt, der soll es sofort zerstören”?

Ohne eine Genehmigung des Propheten durfte nichts aufgeschrieben werden. Der Grund ist, wie wir es bereits oben erläutert haben. Zu dem hatte er noch große bedenken gehabt, dass die Leute zwischen Hadithe und Koranverse nicht mehr unterscheiden könnten wenn sie vom Propheten unbeaufsichtigt niedergeschrieben wurden. Obwohl der Koran die Unnachahmligkeit besitzt, könnten die unerfahrenen und neu konvertierten Muslime diese jedoch zu der Zeit unmöglich differenzieren.

Wenn es weiterhin heißt: “”Höret auf mich und folget mir, solange ich unter euch weile. Nach meiner Zeit, so rate ich euch, klammert euch an das Buch Gottes. Haltet für erlaubt, was es euch gebietet und für verboten, was es euch untersagt”", dann ist offenkundig von verbotenen und erlaubten Dingen die Rede, die aus dem Koran zu entnehmen sind. Der Koran hat hierzu nichts ausgelassen. Das Beispiel des Propheten dient nur dazu, wie er die Gesetze Gottes praktiziert und umgesetzt hat: “Sprich: “”Es steht mir nicht zu, ihn aus eigenem Antrieb zu ändern. Ich folge nur dem, was mir offenbart wurde” Koran 10:15. Oder “Ihr habt im Propheten ein schönes Vorbild” Koran 33:21.

Die Behauptung, dass der Koran alleine ausreicht kann in mehreren Punkten wiederlegt werden:

Im folgendem Vers wird hervorgehoben, dass der Prophet die Verse nicht nur ankündigt, sondern (beyan) sie der Gemeinschaft offenlegt bzw. erläutert: “”Mit deutlichen Zeichen und Schriften. Und Wir haben dir die Ermahnung hinabgesandt, auf daß du den Menschen erklären (beyan) mögest, was ihnen hinabgesandt ward, und daß sie nachdenken”" (16:44). Der Begriff “beyan” bedeutet im arabischen, etwas offenzulegen, zu erläutern. Demzufolge können wir anhand dieser Koranverse erkennen, dass dem Propheten beauftragt wurde den Koran zu verkünden und sie zu erläutern (siehe Kutub-i Sitta 1/347).

Der Gründer der ersten sunnitischen Rechtsschule Abu Hanifa (gest. 767 n.Chr.) überlieferte uns in seinem Werk:

“Der Botschafter Gottes würde sich niemals im Widerspruch zum Koran befinden. Wenn er sich zum Buche Gottes widersprüchlich verhalten hätte, würde er kein Gesandter/Botschafter Gottes sein” (Abu Hanifa – el-Alim ve’l Muteallim S. 32-33).

Der damalige Präsident für religiöse Angelegenheiten der Türkei und Koran Kommentator eines 12 bändigen Koranexegete und 30 bändigen Koran Enzyklopädie Prof. Dr. Süleyman Ates  äußert sich zum Thema Hadith wie folgt: “Wenn der Koran das Gesetz ist, dient ein Hadith nur dazu sie vorbildlich umzusetzen und zu erläutern, nicht dem Gesetz zu wiedersprechen. Wenn von einem Hadith die Rede ist dass sich dem Gesetz wiederspricht oder ändert, dann handelt es sich offenkundig um erfundene Überlieferungen. Gercek Din Bu 2/68

1. Es gibt keinen Gott außer Gott, 2. Muhammad ist Sein Gesandter. Man könnte sagen, daß der zweite Teil der Glaubensbekenntnis >>Muhammad rasulullah<< die erste auf die Erde herabbringt, und die zweite zu leugnen würde bedeuten, daß man alle Verbindung mit der ersten durchtrennt. Der Prophet ist per definitionem nahe bei Gott, da er Sein Gesandter ist, und >>der Prophet steht den Gläubigen näher als sie sich selber.<< (Sure 33, Vers 6). Er ist deshalb der Verbindungsglied zwischen Schöpfer und Geschöpf. Der Name Muhammad bedeutet >>Der Vielgepriesene<<, und da er ein Mensch und nicht mehr als ein Mensch ist, weist dies auf die Vollkommenheit und Herrlichkeit der Schöpfung hin,  wenn sie der Absicht ihres Schöpfers treu bleibt. Er verkörpert die menschliche Norm und ist deshalb das Vorbild für jeden Muslim. Ohne dieses Vorbild wüßten wir nicht, wie wir uns in unserer Person und in unserem Leben der Warheit entsprechend verhalten könnten, die in der ersten Schahadah ausgesagt wird (Charles Legai Eaton aus seinem Werk >>Der Islam und die Bestimmung des Menschen).

Als Abschluss wollen wir uns mit der 4:87 begnügen: [...] Wessen Wort/Ahadith ist zuverlässiger als Allahs? [...]

Dieser Letzte Vers trägt nicht die Botschaft, den Propheten als unzuverlässig zu erklären. Die Weisheit des Propheten ist ebenfalls als Bestandteil der Offenbarungen zu unterstreichen. Nämlich die Wahl Gottes, jenen als Warner zu schicken die mit besonderer Fähigkeit und Weisheit ausgeschmückt war: “Gott hat dir das Buch und die Weisheit herabgesandt und dich gelehrt, was du nicht wußtest”.  (Koran 4:113)

Muhammad Abduh (gest. 1905) sieht in der Weisheit nicht nur den Koran, sondern trennt in diesem Vers den Begriff “Kur’an” und “Hikma” (Weisheit) in dem er dieses als die Weisheit des Propheten identifiziert (Tafsiru’l Manar 2/20).

 

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Islamic theologian
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