Kopftuch Pflicht? oder nicht Pflicht?

PDF DOWNLOAD

Der Ölminister Sheikh Ahmed Zaki Yamani unterstützt M. Asad’s Kopftuch Auslegung:

 

Es gibt 3 Verse im Koran, die das Tragen einer Kopfbedeckung von einigen Gelehrten (ulema) als ein Grund für ihre Auslegung verwendet werden, jedoch in dieser Hinsicht keine Konsens (icma) herrscht. Wir werden verschiedene Korankommentatoren (Müffesir) herbeiführen, die das Gegenteil begründen:

Muhammad Asad – Die Botschaft des Koran (1400 Seiten).

Zu Sure 24:31; 33:59;

Das Wort khimar (von dem khumur die Mehrzahl ist) bezeichnet die der Sitte von den arabischen Frauen vor und nach der Ankunft des Islam gebrauchte Kopfbedeckung. Nach den meisten klassischen Kommentatoren wurde sie in der vorislamischen Zeit mehr oder weniger als Schmuck getragen und lose über dem Nacken der Trägerin heruntergelassen, und da in Übereinstimmung mit der zu dieser Zeit vorherrschenden Mode das Oberteil des Frauengewandes vorn eine weite Öffnung hatte, waren ihre Brüste unbedeckt. Daher bezieht sich die Anweisung, den Busen mit einem khimar zu bedecken, nicht notwendigerweise auf den Gebrauch eines khimar als solchen, sondern soll vielmehr klarmachen, daß die Brüste der Frau nicht in die Vorstellung dessen einbezogen sind, was von ihrem Körper >>schicklicherweise sichtbar sein mag<< und deshalb nicht gezeigt werden sollte.

Siehe auch hierzu Zemahseri (gest. 1143) und seine Kommentierung zu 24/31; – Diyanet “Yüce Kur’an” (bearbeitet von 3 Theologen: Prof. Dr. Cemal Sofuoğlu;  Prof. Dr. Mustafa Yıldırım; Prof. Dr. Abdulkadir Şener ) zu 24/31 & Ilhami Güler aus der Islamischen Fakultät Ankara in seinem Werk “Direnis teolojisi”

Der Theologe Ilhami Güler aus Ankara fügt zudem noch hinzu: “Es wäre pervers, den Bereich des Kopfes als sexuell reizend zu betrachten. Wer die Haare einer Frau als reizend/anziehend findet, so müssten die Haare und der Bart des Mannes ebenfalls reizend sein”. (Direnis teolojisi S. 123)

Der Gelehrte und Vater der hanefitischen Rechtsschule Al Dschassass ( gest. 980) der nach Mudschahid zu den zweit grössten, ältesten und bedeutendsten Koran Kommentatoren gehörte, kommentierte die Sure 24:31 ebenfalls, dass dieser Vers sich auf den Nacken und die Brüste bezieht und nicht auf die Haare und fügt hinzu, dass Said b. Cubeyr (gest. 713) das Nichtbedecken der Haare von freien nicht verboten (haram) sei, sondern nur als “makruh” (nicht empfehlenswert) zu bezeichnen ist. (Ahkamul Kuran – Band 3/ S. 461) Said b. Cubeyr gehörte zu den ersten 3 Generationen (Tabiun).

Der Oberste Rechtsgelehrte der hanefitischen Rechtsschule Hayrettin Karaman gibt zu, dass diese Sichtweise von Said b. Cubeyr in Ahkamu’l Kur’an von Al- Dschassass befindet. >Siehe Prof. Dr. Hüseyin Hatemi; Ilahi hikmette kadin S. 240<

Ibn Kathir (gest. 1373) zitiert in seinem (verkürzten 10 bändigen Koran Tafsir) diese Auslegung von Said b. Cubeyr, nämlich dass dies sich auf die Brüste bezieht und nicht auf die Haare. (Ibn Kathir Band 6 Seite 570)

Der Moderne Theologe und Autor zahlreicher Bücher Ihsan Eliacik kommentiert in seinem Koran Tafsir (24:31) ebenfalls, dass sich dies auf die Brüste bezieht und nicht auf die Haare.

Der islamische Philosoph “Roger Garaudy”, der von vielen islamischen Theologen hoch geschätzt und zitiert wird ist der gleichen Auffasung. Nämlich, dass das Tragen eines Kopftuchs eine vorislamische Tradition war und sich nicht auf die Haare, sondern auf die Brüste bezieht. (vgl. Roger Garaudy – Der gelebte Islam S. 100)

Diese wird historisch auch von Bukhari ebenfalls in einem folgendem Hadith bestätigt: “Ayse r.a. sagte: Gott wird gnädig zu den Frauen der ersten Emigration sein, denn bei der Offenbarung dieser Worte: ‘dass sie ihre Tücher über ihren Busen schlagen’ teilten sie ihren Izar (Stoff, der als Lendenschurz oder Rock diente), um sich die Brüste zu bedecken”. (Vgl. Bukhari Vol. 3, Titel 65, Kapitel 12)


Der Rechtsgelehrte Prof. Dr. Hüseyin Hatemi äußert sich hierzu in seinem Buch “Ilahi Hikmette kadin; S. 220-245″, dass die Bedeckung der Haare zur damaligen Zeit es sich nur um einen sozialen Statussymbol gehandelt hat, um zwischen freien und unfreien unterscheiden zu können. Er deutet in seinem Werk auch darauf, dass das Wort “Khimar” in vielen Koranübersetzungen als “Kopftuch” falsch übersetzt wird. Wenn im Vers 31 der Sure 24 von “gläubigen Frauen” die Rede ist, dann sind die unfreien Frauen nicht ausgeschlossen und ist an alle Muslime gerichtet. Dass das Wort “Kopftuch” falsch übersetzt wird, zeigt sich unzweideutig in dieser Angelegenheit. Daher drückt der Begriff “Khimar” kein Kopftuch aus, sondern ein “Tuch”.

Der Weggefährte des Propheten und zweiter Kalif Omar ibn al Khattap schlug eine Sklavin (unfreie), weil sie ihr Haare bedeckte. >Siehe hierzu ein Werk (30 Bände) aus dem 11. Jahhrundert dass von allen Rechtsschulen anerkannt wird: Serahsi (gest. 1090) in El-Mebsut 2/108<

Sure 33 Vers 53;

Prof. Dr. Rotraud Wielandt. Studium der Islamkunde/Arabistik, Turkologie, Vergleichenden Religionswissenschaft und Philosophie an den Universitäten München, Tübingen und Istanbul (Türkei)

“Und wenn ihr die Gattinnen des Propheten um etwas bittet, das ihr benötigt, dann tut das hinter einem hidschab (Schutzvorhang) hervor! Auf diese Weise bleibt ihr und euer Herz rein.”

>>Was ist nun der hidschab, von dem hier die Rede ist? Das Wort ist heutzutage die arabische Standardbezeichnung für den Kopfschleier, war es zu Zeiten der Verkündung des Koran aber noch nicht. Es heißt seiner Grundbedeutung nach “Absperrung” oder “Verhüllung vor jemandes Blicken” und von daher dann auch “Vorhang” oder “Schleier”. Wenn der Koranvers sagt, die männlichen Besucher sollten mit den Prophetengattinnen nur “hinter einem hidschab hervor” sprechen, dann ist hier offensichtlich an einen Vorhang gedacht, nicht an ein Tuch, das die Frau auf dem Kopf trägt. Im übrigen sind mit den Vorschriften zum hidschab in diesem Koranvers speziell die Frauen des Propheten und die Besucher von dessen Haus angesprochen.<<

Der Gelehrte aus Somalien Hasan el-Turabi fügt zum Wort hidschab bestätigend hinzu, dass diese als ein Schutzvorhang diente, wenn Besucher im Hause des Propheten eintraten. Damit die Ehefrauen getrennt und ungestört blieben, wurde dieser Schutzvorhang als solchen gebraucht. Erst einige Generationen später wurde das Wort hidschab von den Fukhaha (Gesetzgebern) zum Kopftuch umgewandelt. Hasan el-Turabi – Die Zukunft der Welt S. 45

Das Wort hidschab kommt noch in 4 anderen Stellen im Koran vor, jedoch nicht im Sinne des Kopftuchs:
7:46: “Und zwischen ihnen beiden befindet sich eine Scheidewand (…)
17:45: “Und wenn du den Koran vorträgst, machen wir zwischen dir und denen, die nicht an das Jenseits glauben, eine unsichtbare Scheidewand“.
41:5: “(…) und zwischen uns und dir befindet sich eine Scheidewand” (…)
42:51: “(…) oder hinter einem Vorhang, oder indem er einen Boten sendet” (…)

Sowohl Koran als auch Sunna besagen, daß alle Körperteile, die der rituellen Waschung zu unterziehen sind, nicht unter das Verhüllungsgebot fallen. Bestätigt wurde diese Auffassung von Abu Hamid al-Ghazali 1111 n. Chr., Ibrahim en-Nehai 714 n. Chr., Tabari Tafsir 18/120., Imam abu yusuf 798 n. Chr., Imam es-serahsi 1090 n. Chr., Abdullah el mawsili 1285 n. Chr., Ibn Nudscheym 1563 n. Chr., Razi Tafsir 23/206.

Es ist zu erwähnen, dass zur Zeiten des Propheten bei der Gebetswaschung keine Geschlechtertrennung gab. Frauen und Männer haben zusammen die rituelle Waschung vollzogen; Vgl. Buhari, vudu 43 – Ebu Davud, taharet 39 – İbni Mace, taharet – 36 Nesai, taharet 56. Da die Haare bei der Waschung befeuchtet werden, ist es selbstverständlich dass sie nicht bedeckt waren. Wenn die Haare der Frau bedeckt werden müsse, weshalb gab es dann keine Geschlechtertrennung? Wieso haben Frauen und Männer gemeinsam diese Waschung vollzogen?

Nasir Hamid Abu Zaid – Mohammed und die Zeichen Gottes S. 162

“Allen Rechtsschulen zufolge ordnet der Koran das Herunterziehen des dschilbab an, damit die muslimischen Frauen nach außenhin erkennbar sein sollen. Es handelt sich sozusagen um ein Statussymbol, ein Unterscheidungsmerkmal zwischen freien und versklavten Frauen, denn Sklavinnen durften keinen dschilbab tragen. Diese zweite Koranstelle hat ihren Sinn also vor dem Hintergrund einer Gesellschaft, die zwischen Freien und Sklaven unterschied”. Dieses Unterscheidungsmerkmal wird vom Vater der Koran-Kommentierung Fahreddin Razi gest. 1209 in seinem 23 bändigen Koran-Tafsir bestätigt. Siehe hierzu seine Kommentierung zu 24:31 in Band 17.

Wie wir anhand der Auslegungen sehen konnten, gibt es keine feste Interpretation der großen Gelehrten, um die Begriffe Hijab, Khimar, und Dschilbab als das Tragen eines Kopftuchs als solchen zu definieren.

Die häufig verwendete Begründung ist die Vorbildfunktion der Ehefrauen des Propheten. Jedoch werden wir anhand der Koranverse sehen, dass diese nicht allgemein verbindlich sind.

1. Die Frauen des Propheten sind nicht wie andere Frauen: “Frauen des Propheten! Ihr seid nicht wie irgendeine von den Frauen”. Koran 33:32
2. Denn sie sind die Mütter der Gläubigen. Koran 33:6
3. Und ihre Strafe würde bei unanständigem Verhalten doppelt bestraft werden. Koran 33:30.

“” O Kinder Adams, Wir gaben euch Kleidung, um eure Scham zu bedecken und zum Schmuck; doch das Kleid der Frömmigkeit – das ist das beste.”" 7:26

This entry was posted in Allgemein. Bookmark the permalink.

3 Responses to Kopftuch Pflicht? oder nicht Pflicht?

  1. amina says:

    assalamualaikum

    wenn ich mich recht erinnere heisst es in sure 24:31 .. sie sollen ihre unterröcke über ihren kopf ziehen und ihre brüste damit bedecken…(ich habe meine quran von asad gerade ausgeliehen und kann daher nicht nachsehen)
    und da die frauen das über den kopf werfen, bereits wie oben erwähnt sowieso schon gemacht hatten weil es eben sitte war, ist ein extra hinweis dass die brüste nun mal auch bedeckt sein müssen.

    unterscheidet man denn heute nicht zwischen unfrei und frei?zwischen religiös muslimisch und nicht muslimisch?
    ist denn eine Frau die den weltlichen dingen hinterher jagt und sich an diese welt bindet nicht eine unfrei? und eine frau die ihr leben nach gottes gesetzen zu leben versucht wesentlich freier? es ist ebenso wichtig sich zu “unterscheiden” sich als muslim zu outen”
    meines wissens trugen die frauen des propheten einen niquab!?! ist ja auch nciht verpflichtend. Dass sie erwas besonderes sind und eine weitaus höhere ebene des glaubens hatten liegt ja auf der hand, denn sie sind die mütter der gläubigen und müssen wesentlich gradliniger sein als die ” normalen ” muslime. so wie unser prophet (saw) kaum fehler begangen hat und ein unwahrscheinliches mass an glaube und praxis etc hatte. subhan allah

    ich bin nicht sonderlich gelehrt aber ich masse mir an mitzureden;) möge allah mir verzeihen wenn ich damit falsches in umlauf bringe.;)

  2. Baycan Yanar says:

    Selam.

    Zu der Frage, ob man heute nicht unter frei und unfrei unterscheidet.. dem ist nicht so. Es ist nicht angebracht andere Religionsangehörige als unfrei zu definieren, während man sich selbst als Muslim “Frei” bezeichnet. Dieser Kontext was im Artikel aufgeführt sind hat nicht das geringste mit deiner Interpretation zwischen Frei und Unfrei zutun. Kein einziger Moslem hat zur Zeiten des Propheten wie auch der Prophet selbst sich aufgrund dessen das sie Muslime sind als Frei bezeichnet. Die Unfreien bzw. Sklaven waren damals ebenfalls Muslime. Es wäre ein fataler Fehler diesen Kontext heute so anzuwenden, wie du es Interpretierst. Hat keine Grundlage im Koran. Im Gegenteil. In 2:62 und 5:69 heißt es:

    “Gewiß, diejenigen, die glauben’, und diejenigen, die dem Judentum angehören, und die Säbier und die Christen, – wer (immer) an Allah und den Jüngsten Tag glaubt und rechtschaffen handelt, – über die soll keine Furcht kommen, noch sollen sie traurig sein.”

  3. Mariyam says:

    Sehr interessanter Bericht. ich denke schon, dass in den meisten Kulturen langes offen getragenes FrauenHaar bei Maennern eher etwas ausloest als ein Igelschnitt und auch ein Ausdruck von Weiblichkeit ist und wuerde I. Gueler in diesem Punkt widersprechen. Der Vergleich mit langen Haaren bei Maennern hinkt in meinen Augen, da wir Frauen auf andere Dinge schauen. Aber mir soll mal ein Mann sagen, dass junge Frauen mit Kopftuch weniger attraktiv aussehen. Ich persoenlich mag beides. letzt endlich ist es der Gesamteindruck und die innere Einstellung, was es ausmacht. Wenn wir Frauen reizen wollen, koennen wir das mit oder ohne Kopftuch und umgekehrt genauso.

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>